Full text: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Zweites Buch. Die Gegner. 
l : 
Herrschaft des Menschen über sich selbst 1 ). Was wirft er aber nun 
dem Eigentum vor? Einfach das Eecht, das es seinem Besitzer ver 
leiht. ein Einkommen ohne Arbeit zu erheben. Es ist nicht 
das Eigentum an und für sich, sondern das „Herrenrecht“ 2 ) der Be 
sitzenden, das Pboudhon — ebenso wie Owen, die englischen Sozia 
listen und die Saint-Simonisten — verdammt, dieses Heimfallsrecht, 
das je nach den Umständen und dem Gegenstand den Namen Rente, 
Pacht, Miete, Geldzins, Profit, Agio, Diskont, Kommission, Privilegium, 
Monopol, Bonus, Sinekure, Bestechung usw. annimmt 3 ). 
Denn zusammen mit allen Sozialisten, die ihm vorausgegangen 
sind, betrachtet auch Proudhon die Arbeit allein als produktiv 4 ). 
Weder der Boden, noch die Kapitalien sind ohne Arbeit produktiv. 
Daraus ergiebt sich, daß „der Eigentümer, der eine Steuer auf Grund 
der Dienstleistungen seines Instrumentes, der Produktivkraft seines 
Bodens verlangt, eine völlig falsche Tatsache annimmt, nämlich, daß 
die Kapitalien selbst irgend etwas hervorbringen; und, wenn er sich 
dieses eingebildete Erzeugnis bezahlen läßt, so erhält er tatsächlich 
etwas für nichts“ B ). 
’) Contradictions, Bd. I, S. 219—221. 
2 ) „Droit d’aubaine“, jus albinagii, Fremdenrecht; Heimfallsrecht am Eigentum 
Fremder, das dem Herrn zustand (Anm. d. Übers.). 
3 ) Eesume de la question sociale, S. 29. Der gleiche Gedanke wird 
häufig auch an anderen Stellen von ihm ausgedrückt: „Auf Grund der Arbeitsteilung 
waren die individuellen Besitztümer nur mehr wie die Maschen eines Verkehrsnetzes. 
Ein jeder Besitzer fand sieh, infolge der allgemeinen Solidarität in eine Art Durch 
gangszoll-Einnehmer verwandelt, der die Tür einer Schleuse zu hüten hatte, und der 
wie früher der feudale Grundherr von jedem im Umlauf befindlichen Erzeugnis eine 
Transitabgabe erhob. ... So geschah es, daß das Eigentum zum Diebstahl wurde“ 
(Banque d’Echange, S. 166). Hervorzuheben ist, daß Pboudhon nicht der Ansicht 
war, Zinsen seieii stets unberechtigt. In der Vergangenheit (er erklärt das besonders 
in seiner Auseinandersetzung mit Bastiat) waren die Zinsen berechtigt. Nur glaubt 
er, für die Zukunft das Mittel gefunden zu haben, sie unnötig zu machen. 
4 ) Man darf diese These, was fast stets geschieht, nicht mit der von Marx zu 
sammen werfen, für den jeder Wert aus der Arbeit stammt. Diese Idee gibt Pboudhon 
nicht zu. Der Wert muß, nach ihm, gerade „gebildet“ (oonstituee) werden, d. h. in 
der Weise geregelt, um mit der Arbeitsmenge übereinzustimmen. 
Er glaubt aber nicht, daß das schon in der heutigen Gesellschaft der Fall sei. Marx 
wirft ihm nun gerade in seiner Schrift: M isere de la Philosophie vor, das nicht 
zu glauben. Phoudhon gibt nur zu, — wie Rodbbrtus — daß die Erzeugnisse 
(nicht der Wert der Erzeugnisse) ausschließlich auf der Arbeit beruhen. Vgl. oben 
(S. 244/245). 
5 ) Propriete, ler Memoire, S. 131—132. In der Stelle, die wir anführen, 
setzt Phoudhon allerdings noch dazu, daß die Arbeit ohne Kapital und ohne Grund 
besitz unproduktiv sein würde. Er vergißt aber diese Einschränkung sogleich wieder 
in den Schlüssen, die er aus dem vorhergehenden zieht und vergißt sie noch mehr 
in seinem Projekt einer Tauschbank, wo man lesen kann: „Die Prinzipien dieser 
Gesellschaften sind; daß dem Menschen alle Eohstoffe umsonst von der Natur geliefert
	        
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