des Völkerbundes erzähle, daß mir die
Frage gestellt wird: ja, sagen Sie einmal,
was kommt nun bei der ganzen Geschichte
eigentlich heraus? (Heiterkeit.) Da kann
ich immer nur sagen, das ist eine Frage, die
sehr schwer zu beantworten ist und die
eigentlich noch ein wenig verfrüht ist. Her-
auskommt zunächst unter allen Umständen
alles das, was aus einer ständigen Fühlung
von Persönlichkeiten, die in den einzelnen
Ländern maßgeblich in der Handelspolitik
mitwirken, herauskommen kann. Es ist
ganz klar, daß sich dabei ganz andere Mög-
lichkeiten ergeben, als wenn jede Regierung
immer nur in ihrem Nest sitzt und mit
Telegrammen, Zeitungsartikeln, Instruk-
tionen und Delegationsverhandlungen den
Versuch macht, die akuten Fragen zu lösen.
Wenn jedes Vierteljahr einmal eine Art
von Börse des Handelsvertragswesens statt-
findet, so ergeben sich Fühlungen, die auf
amtlichen Wege nicht möglich wären. Die
Länder lernen sich nach ihren Interessen
und nach ihrer Einstellung kennen, und es
ergibt sich daraus eine gewisse — ich ge-
brauche dieses ominöse Wort nur ungern —
Atmosphäre der Vertraulichkeit, die den
wirtschaftspolitischen Ausgleich der Inter-
essen erleichtern kann.
Im übrigen besteht die Tätigkeit des
Wirtschaftsausschusses darin, das ganze
Terrain der Wirtschaftspolitik gewisser-
maßen abzutasten, immer wieder zu ver:
suchen, wo sich die Möglichkeit einer Ver-
ständigung bietet, und da, wo ein solcher
Versuch sich als günstig erwiesen hat,
diesen Versuch nun auch in die Tat umzu-
setzen. Das sind teilweise Einzelfragen von
nicht gerade sehr großer Bedeutung.
Überhaupt hat die Tätigkeit des Wirt-
schaftsausschusses so ein bischen etwas von
Felddienstübungen an sich. Ich glaube, Sie
werden das aus meinen Darlegungen schon
entnommen haben. Die Arbeiten vollziehen
sich eben noch in der theoretischen und
grundsätzlichen Sphäre, ohne daß man so
recht weiß, wohin nun eigentlich die Straße
weiter führt. Ob Felddienstübungen nütz-
lich oder überflüssig sind, hängt davon ab,
ob ein Fall eintritt, in welchem das, was
in Felddienstübungen gelernt wurde, prak-
tisch betätigt werden kann. Wenn ich mir
die gesamte Lage der Weltwirtschaft und
der‘ Außenhandelspolitik der Welt vor
Augen halte, so habe ich doch das Gefühl,
wir müssen mit der Möglichkeit rechnen,
daß einmal ein Fall eintritt, wo die Feld-
dienstübungen des Völkerbundes sehr be-
deutsam sein können. Ich möchte deshalb
zum Schluß darauf hinweisen, welche großen
Probleme weltwirtschaftlicher Art gewisser:
naßen in der Luft liegen und so in den
ıächsten Jahren nach der einen oder
ınderen Richtung doch zu wesentlichen
Veränderungen der wirtschaftspolitischen
Situation führen könnten.
Da ist zunächst das große Problem der
Reparationen und der internationalen Ver-
schuldung mit seinen sehr großen Aus-
wirkungen auch auf die Gestaltung des
internationalen Warenverkehrs. Die Welt-
wirtschaftskonferenz hat ausgesprochen,
nan müsse sich darüber klar sein, daß
Zahlungen in letzter Linie nur durch Waren
>der Leistungen bewirkt werden können.
Jas ist ja ein Satz, der absolut richtig ist.
%s handelt sich nun darum, welche Folge-
ungen die Welt aus diesem Satze für die
Wirtschaftspolitik zu ziehen gewillt ist. Es
‚scheint, als ob die Vereinigten Staaten nicht
lie Absicht hätten, aus ihrer hochprotek-
jonistischen Wirtschaftspolitik herauszu-
jehen. Und auch die Landwirtschaft in
Amerika, von der man ja eine gewisse
Jpposition gegen das jetzige System er-
varten könnte, scheint ihre Tendenz mehr
Jahin zu richten, das eigene Preisniveau
lem relativ hohen industriellen Preisniveau
anzupassen, und weniger dahin, das indu-
strielle Preisniveau zu senken,
Ein zweites Problem ist: wie wird Eng-
and reagieren auf eine Fortdauer der ame-
ikanischen hochprotektionistischen Politik
ınd auf eine Fortdauer der hochprotektio-
ıstischen Politik von Kontinental - Europa?
Wird es auch zum Protektionismus über-
jehen, was sehr weite Kreise in England be-
‘ürworten? Selbst die Liberalen haben das
inde des laissez-faire verkündet, allerdings
ıicht mit dem Ziel auf Einführung von
Zöllen. Aber diese liberale Einstellung
<ennzeichnet doch, wie schwer auf England
las ganze Problem lastet. Und Sie wissen
ıuch, daß die Idee, das jetzt schon be-
stehende Präferenzialsystem zwischen Eng-
and und seinen Dominions weiter auszu-
jauen, doch sehr viele Anhänger und Be-
‘ürworter findet. Damit hängt zusammen
lie Frage, ob sich überhaupt etwa größere
aruppen in der Weltwirtschaft bilden
werden. Und von sehr großer Bedeutung
ıst auch die Frage: wie werden die Be-
ziehungen des europäischen Kulturkreises
ınd der kapitalistischen Wirtschaftsordnung
zu Rußland sich entwickeln?
Ich glaube, wenn man sich diesen welt-
wirtschaftlichen und, ich möchte beinahe
jagen, welthistorischen Hintergrund einmal