Kapitel V. Proudhon und der Sozialismus von 1848.
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Versuch dieser Art im Jahre 1829 gemacht. In diesem Falle war
die Bank nur eine Niederlage, die dem Produzenten das Auffinden
von Absatzgebieten erleichtern sollte. Ein derartiges System leidet
an dem Mangel, daß der Wert der in Zahlung gegebenen Bons not
wendigerweise mit den Preisschwankungen steigen oder fallen muß,
die in der Zeit zwischen der Zahlung durch die Bank und dem An
kauf durch den Verbraucher eintreten. Peoudhon jedoch will gerade,
daß die Bank nur die Effekten diskontiert, die schon gelieferte
oder gekaufte Waren vorstellen. Sie soll nur den schon ver
sprochenen Preis vorstrecken, aber nicht sich mit dem Absatz
der Waren befassen. Die Entwertung kann also nur von der später
sich herausstellenden Zahlungsunfähigkeit des Käufers kommen und
nicht von dem Sinken des Preises, das einer Verminderung in der
Nachfrage nach den Produkten folgt. Peoudhon selbst hat übrigens
jede Verbindung mit dem Projekt Mazel’s abgelehnt 1 ).
Banques, wie auch in einem, im April 1853 im Journal des Economistes
erschienenen Aufsatz. Ihr Betrieb ist in drei Broschüren, die sich in der Biblio-
theque Nationale befinden, klargelegt; die eine ist eine Liste des articles dis
ponibles älaBanque, die beiden anderen behandeln den Mechanismus der ge
nannten Bank, Daeimon (ein Schüler Pkoudhon’s) hat die Beschreibung einer
großen Anzahl ähnlicher Banken, die während dieser Periode gegründet wurden, in
seinem Werk De la reforme des banques (Paris, Quillaumin, 1856) gegeben.
Viele dieser Systeme sind vor kurzem von Auouy in seinem Systbmes sooia-
listes d’echange (Paris 1907) besprochen und dargelegt worden. Wir stimmen
jedoch mit den Ausführungen dieses Schriftstellers in verschiedenen Punkten nicht
überein.
Die Bank Bonkaed unterschied sich von allen anderen Systemen darin, daß
der Kunde der Bank, — anstatt ihr eine Ware (deren Verkauf stets unsicher ist) zu
bringen, und dafür den Preis in Papierbons zu erhalten, — im Gegenteil von der
Bank sogleich eine nützliche Ware erhielt, und dafür einen Wechsel unterschrieb,
mit dem er sich verpflichtete, ein Erzeugnis seiner Fabrikation zu liefern, sobald die
Bank es von ihm verlangen würde. Für Jedes Geschäft erhob die Bank eine
Kommission in bar. — Sie hatte keinen anderen Zweck, als Käufer und Verkäufer
in Berührung zu bringen, und die unterschriebenen Bons waren nichts anderes, als
Wechsel, die in Natura zahlbar waren, aber keineswegs ein Ersatz für Banknoten
(vgl. Banque d’echange de Marseille C. Bonnakd et Oie fondee par
acte du 10 janvier 1849. Notaire Eaynouard, Marseille, 1849, Broschüre,
24 Seiten).
l ) „Ich verwerfe sie sowohl nach ihrem Grundgedanken wie nach der Form
vollständig,“ sagte er, indem er von der Idee Mazel’s in einem Aufsatze, der am
7. Dezember 1848 in der Zeitung Le Peuple erschien, spricht ((Buvres, Bd. XVII,
S. 221). Er fügt hinzu, daß er Mazel nicht kannte, als er sich mit dem Gedanken
der Tauschbank trug. „Mazel ist von sich ans zu mir gekommen und hat mir seinen
Gedanken mitgeteilt.“ — Peoudhon scheint in einem seiner Projekte, das am
10. Mai 1848 veröffentlicht wurde, für einen Augenblick die Idee einer ähnlichen
Bank gehabt zu haben. Der § 17 des Entwurfes lautet wie folgt; „Die Tauschbons
sind beständig bei Sicht an den Kassen der Bank und bei allen Teilhabern
gegen Waren oder Dienste jeder Art austauschbar. Umgekehrt sind Waren und