Kapitel I. Die Optimisten.
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ging das so weit, daß er dort ohne zu großen Widerstand dem gegen
ihn von Cobden geführten Feldzug unterlag, während er in Frank
reich die Angriffe Bastiat’s siegreich überstand; und wenn er kurz
darauf durch den selbstherrlichen Willen Napoleons III. aufgehoben
wurde, so sollte er bald darauf nur um so kräftiger wieder in Er
scheinung treten.
So hatte die französische Schule gleichzeitig zwei Gegnern die
Spitze zu bieten, die übrigens in ihren Augen nur einer waren, denn
für sie war die Schutzzöllnerei nur eine schlechte Nachahmung des
Sozialismus und als solche noch hassenswerter, weil sie yorgab, das
Glück der Eigentümer und der Fabrikanten, also der Reichen, zu
begründen, während der Sozialismus doch wenigstens das Glück der
Arbeiter, also der Armen erstrebte; — und schädlicher, weil sie schon
verwirklicht war und ihre Verwüstungen offen ausübte, während
der andere glücklicherweise noch eine Utopie blieb. Indem die
französische Schule so zwei Gegner zu gleicher Zeit bekämpfen
mußte, fand sie sich in der vorteilhaften Lage, dem Vorwurfe der
Klassenadvokatie zu entgehen: sie konnte antworten, daß sie für die
Gesamtheit kämpfe.
Ein 100jähriger Krieg muß selbstverständlich bei denen, die
ihn durchgefochten haben, seine Spuren hinterlassen; das genügt, um
die „apologetischen, normativen und finalistischen“ Tendenzen zu er
klären, die man der französischen Schule so oft vorgeworfen hat.
Wie hat sie es angefangen, um die „gesunden Doktrinen“ zu
verteidigen, die sie oft leichtfertig mit der Wissenschaft verwechselt
hat? Hierauf kommt es an. Sie sagte sich: das ganze Übel stammt
von den Pessimisten. Sie sind es, die durch ihre unheildrohenden
Voraussagungen den Glauben an die Naturgesetze und an die selbst
tätige Organisation der Gesellschaft vernichtet und die Menschen
dazu getrieben haben, ein besseres Schicksal in künstlichen Organi
sationen zu suchen. Es ist daher vor allem notwendig, um die
kritische Schule, den Sozialismus und das Schutzzoll-System zu wider
legen, die Wissenschaft von den kompromittierenden Lehren Ricaedo’s
und Malxhus’ zu befreien und nachzuweisen, daß ihre angeblichen
Gesetze der Grundlage entbehren. Es kommt darauf an, zu zeigen,
daß die natürlichen Gesetze uns nicht ins Unglück, sondern ins Glück
führen, wenn auch hin und wieder auf dem Umwege des Übels; daß
die individuellen Interessen nur scheinbar antagonistisch, in Wahrheit
aber dennoch solidarisch sind, und daß es genügt, wie BASxiAT_sagt,
wenn „ein jeder sein Interesse verfolge, wobei sich herausstellen
wird, daß jeder, ohne es zu wollen, den Interessen der Gesamtheit
dient“. Kurz, die Anhänger der französischen Schule haben, um den
Pessimismus zu widerlegen, sich zu Optimisten gemacht.