Kapitel I. Die Optimisten.
379
werte Gesellschaft vorzustellen, so fühlen wir uns zu der Hoffnung
verpflichtet, daß die Triebkraft der ganzen wirtschaftlichen Tätigkeit,
die heute die Profitsucht ist, nach und nach dem Gedanken des
sozialen Dienstes Platz macht. An dem Tage wird man Bastiat
ein Denkmal setzen können.
§ 2. Das Gesetz des unentgeltlichen Nutzens und der
Rente.
Das Gesetz der Rente, wie es Rioaedo aufgestellt hatte, war das
Schreckbild der Optimisten. Wäre es unglücklicherweise wahr ge
wesen, so wäre ihnen nach ihrer Ansicht nichts weiter übrig ge
blieben, als den Sozialisten Recht zu geben, die im Grundeigentum
einen sozialen Schädling erblickten. Um jeden Preis mußte daher
nachgewiesen werden, daß dieses Gesetz ohne Grundlage sei, und
Bastiat hat sich bemüht, die These zu begründen, die zuerst wie
eine Ungeheuerlichkeit anmutet, nämlich, daß der Boden oder die
Natur ihre Güter allen Menschen umsonst gibt. Wie, wird man
ausrufen, das Getreide oder die Kohle und alle Produkte des Grundes
und des Untergrundes werden nicht bezahlt, haben keinen Wert? —
Doch, antwortet Bastiat, aber dieser Preis bezahlt nicht die natür
liche Nützlichkeit dieser Produkte: er bezahlt nur die Arbeit der
Produktion, er erstattet nur die von dem Besitzer gemachten Aus
lagen zurück.
Auf diese Weise mußte man in jedem Erzeugnis zwei über
einander liegende Schichten von Nützlichkeit unterscheiden. Die eine
beruht auf der Arbeit, und diese muß bezahlt werden, ist ein
kostendes Ding und macht das aus, was man den W T ert nennt; die
andere verdanken wir der Natur: sie wird als solche niemals bezahlt,
y
sondern sozusagen als Zugabe gegeben. Wenn diese unter
liegende Schicht unbekannt ist, obgleich sie eine beträchtliche Be
deutung hat, so liegt das gerade daran, daß sie im Preise nicht zum
Ausdruck kommt und sich deshalb dem Blick entzieht: sie ist un
sichtbar, weil sie unentgeltlich ist.
Das aber, was unentgeltlich ist, gehört allen gemeinsam, wie die
Luft oder das fließende Wasser. Man kann daher den gleichen Ge
danken ausdrücken, indem man sagt, daß unter der zutage liegenden
Schicht der Werte, die das individuelle Eigentum ausmacht, eine
andere unsichtbare Schicht vorhanden ist, die der Gemeinschaft
gehört und von der alle Nutzen haben. „Das, was auf Grund gött
licher Vorbestimmung Gemeingut war, bleibt durch alle menschlichen
Handlungen hindurch Gemeingut.“