Full text: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel I. Die Optimisten. 
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werte Gesellschaft vorzustellen, so fühlen wir uns zu der Hoffnung 
verpflichtet, daß die Triebkraft der ganzen wirtschaftlichen Tätigkeit, 
die heute die Profitsucht ist, nach und nach dem Gedanken des 
sozialen Dienstes Platz macht. An dem Tage wird man Bastiat 
ein Denkmal setzen können. 
§ 2. Das Gesetz des unentgeltlichen Nutzens und der 
Rente. 
Das Gesetz der Rente, wie es Rioaedo aufgestellt hatte, war das 
Schreckbild der Optimisten. Wäre es unglücklicherweise wahr ge 
wesen, so wäre ihnen nach ihrer Ansicht nichts weiter übrig ge 
blieben, als den Sozialisten Recht zu geben, die im Grundeigentum 
einen sozialen Schädling erblickten. Um jeden Preis mußte daher 
nachgewiesen werden, daß dieses Gesetz ohne Grundlage sei, und 
Bastiat hat sich bemüht, die These zu begründen, die zuerst wie 
eine Ungeheuerlichkeit anmutet, nämlich, daß der Boden oder die 
Natur ihre Güter allen Menschen umsonst gibt. Wie, wird man 
ausrufen, das Getreide oder die Kohle und alle Produkte des Grundes 
und des Untergrundes werden nicht bezahlt, haben keinen Wert? — 
Doch, antwortet Bastiat, aber dieser Preis bezahlt nicht die natür 
liche Nützlichkeit dieser Produkte: er bezahlt nur die Arbeit der 
Produktion, er erstattet nur die von dem Besitzer gemachten Aus 
lagen zurück. 
Auf diese Weise mußte man in jedem Erzeugnis zwei über 
einander liegende Schichten von Nützlichkeit unterscheiden. Die eine 
beruht auf der Arbeit, und diese muß bezahlt werden, ist ein 
kostendes Ding und macht das aus, was man den W T ert nennt; die 
andere verdanken wir der Natur: sie wird als solche niemals bezahlt, 
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sondern sozusagen als Zugabe gegeben. Wenn diese unter 
liegende Schicht unbekannt ist, obgleich sie eine beträchtliche Be 
deutung hat, so liegt das gerade daran, daß sie im Preise nicht zum 
Ausdruck kommt und sich deshalb dem Blick entzieht: sie ist un 
sichtbar, weil sie unentgeltlich ist. 
Das aber, was unentgeltlich ist, gehört allen gemeinsam, wie die 
Luft oder das fließende Wasser. Man kann daher den gleichen Ge 
danken ausdrücken, indem man sagt, daß unter der zutage liegenden 
Schicht der Werte, die das individuelle Eigentum ausmacht, eine 
andere unsichtbare Schicht vorhanden ist, die der Gemeinschaft 
gehört und von der alle Nutzen haben. „Das, was auf Grund gött 
licher Vorbestimmung Gemeingut war, bleibt durch alle menschlichen 
Handlungen hindurch Gemeingut.“
	        
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