Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Viertes  Buch.  Die  Abtrünnigen.

dem  überall  identischen  Beweggrund  des  persönlichen  Interesses  gehorchen. ­
  Die  Einfachheit  dieser  Auffassung  entbehrt  nicht  der  Größe»
Nur  ist  das  so  erhaltene  Bild  des  sozialen  Lebens  außerordentlich
begrenzt.  Es  vernachlässigt  eine  große  Anzahl  von  bedeutungsvollen
und  interessanten  Tatsachen.  Der  konkrete  Ausdruck  der  wirtschaftlichen ­
  Welt  ist  in  Wirklichkeit  außerordentlich  verschieden  und
wechselnd.  Wir  können  in  ihm  Einrichtungen  aller  möglichen  Art
unterscheiden;  Banken,  Handels-  und  Effektenbörsen,  Genossenschaften
der  Arbeitgeber  und  solche  der  Arbeitnehmer,  Handelsgesellschaften
und  Kooperativgesellschaften;  wir  treffen  hier  auf  erbitterte  Kämpfe
zwischen  der  großen  und  der  kleinen  Industrie,  dem  großen  und
kleinen  Handel,  dem  großen  und  kleinen  Landbesitz,  zwischen  sozialen
Klassen,  zwischen  Individuen,  zwischen  dem  Staat  und  den  Einzelpersonen, ­
  zwischen  den  Städten  und  dem  platten  Land.  Wir  sehen,
wie  der  Wohlstand  der  Staaten  wächst  und  verfällt,  wie  die  Konkurrenz ­
  dem  einen  heute  ein  Übergewicht  gibt,  das  sie  ihm  morgen
wieder  nimmt.  In  diesem  Lande  und  in  jener  Epoche  haben  gewisse,
handelspolitische  Richtungen  Erfolg,  die  im  Gegenteil  an  anderen
Stellen  oder  in  anderen  Zeitläuften  fehlschlagen.  Wir  sehen,  wie  in
jedem  Lande  und  zu  jedem  Augenblick  das  wirtschaftliche  Leben
sich  durch  andere  Organe  vollzieht,  sich  beständig  verändert,  sich
den  wechselnden  Bedingungen  der  Technik  anpaßt,  sich  mit  dem
Fortschritt  der  Wissenschaft  umformt,  mit  neuen  Sitten  und  Anschauungen ­
  andere  Formen  zeigt.
Von  all  diesem  sagt  uns  aber  die  mechanische  Auffassung  der
Volkswirtschaft  kein  Wort.  Sie  erklärt  uns  weder  die  wirtschaftlichen
Unterschiede,  die  eine  Nation  von  der  anderen  trennen,  noch  die,  die
eine  Epoche  von  der  anderen  scheiden.  Ihre  Lohntheorie  sagt  uns
nichts  über  die  verschiedenen  Arbeiterkategorien,  ihren  relativen
Wohlstand  in  den  aufeinander  folgenden  Perioden  der  Geschichte,  od.er
über  die  rechtlichen  und  politischen  Verhältnisse,  von  denen  dieser
Wohlstand  abhing.  Ihre  Zinstheorie  sagt  uns  nichts  über  die  unzähligen ­
  Formen,  die  die  Funktion  des  Kredites  in  der  Geschichte
angenommen  hat,  über  die  Veränderungen,  die  die  Tauschmittel,  das
Metallgeld  und  das  Papiergeld  erlitten  haben.  Ihre  Theorie  des
Profits  läßt  die  Umformungen  der  Unternehmungen,  ihre  Konzentration
oder  Zersplitterung,  ihren  individuellen  oder  kollektiven  Charakter,
ihre  Sonderstellung  im  Handel,  in  der  Industrie  oder  der  Landwirtschaft ­
  außer  acht;  denn  die  klassischen  Volkswirtschaftler  haben
einfach  die  allgemeinen  und  beständigen  Tatsachen  gesucht,  in  denen
im  Kähmen  der  sozialen  Einrichtungen  ihrer  Zeit  die  Tätigkeit  des
Homo  Oeconomicus  zum  Ausdruck  kam.
Daher  genügt  die  mechanische  Erklärung  des  Wirtschaftslebens
            
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