Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Erstes  Buch.  Die  Begründer.

wegs  als  Parasit,  nicht  einmal  als  ein  sein  Einkommen  aus  zweiter
Hand  erhaltender  Stipendiat,  wie  der  Fabrikant.  Sein  Anteil  gebührt
ihm  optimo  jure,  kraft  eines  Rechtes,  das  älter  und  höher  ist  als  das
des  Landwirtes.  Denn  wenn  der  Landwirt  das  Erzeugnis  macht,  so
hat  er,  der  Besitzer,  den  Boden  gemacht.  Man  könnte  die  drei  Gesellschaftsklassen ­
  der  Physiokraten  mit  drei  Personen  vergleichen,
die  sich  in  das  Wasser  eines  Brunnens  teilen:  Die  produktive  Klasse

vorgestreckt  haben,  die  wir  zu  unterhalten  und  zu  bewahren  beauftragt  sind  (Baudeau,
Philosophie  economique,  S.  757).  „Die  erste  Kraft,  deren  Reproduktion  nötig
ist,  ist  der  der  Gesellschaft  unentbehrlichste  Mensch.  Diese  erste  Kraft  ist  der
Grundbesitzer:  Daher  beruht  die  Rechtfertigung  seiner  Vorrechte  auf  der  physischen
Notwendigkeit  der  Reproduktion“  (La  Rivöke,  S.  466—467).
„Durch  Ausgaben  erwirbt  sich  der  wahre,  gerechte  und  nützliche  Grundbesitz.
Bis  zum  Augenblick,  wo  diese  ersten  Grund-Vorschüsse  eintreten,  ist  das  Eigentum
nur  das  exklusive  Recht,  den  Boden  eines  Tages  produktiv  zu  machen“  (Baüeeau,
S.  851),  d.  h.,  solange  als  der  Boden  nicht  instand  gesetzt  ist,  beschränkt  sich  das
Eigentum  auf  die  einfache  Okkupation.
Die  Physiokraten  unterschieden  drei  Arten  von  Vorschüssen:
1.  Die  jährlichen  Vorschüsse  (avances  annuelles),  die  die  Kosten  der  Bestellung ­
  in  jedem  Jahr  vorstellen,  —  wie  Saat,  Dünger,,  Arbeitsleistungen  und,
natürlich,  die  Unterhaltungskosten  der  Arbeiter.  Diese  Vorschüsse  müssen  jährlich
vollständig  durch  die  Jahresproduktion  ersetzt  werden.  Wir  nennen  das  heute
Betriebskapital.
2.  Die  primären  Vorschüsse  (avances  primitives),  wie  Ankauf  von  Vieh  und
Geräten,  die  eine  mehr  oder  weniger  lange  Reihe  von  Erzeugungsarbeiten  aushalten
und  daher  in  einem  Jahr  nur  zu  einem  Bruchteil  wieder  eingebracht  werden  müssen.
Man  sieht  hier  sehr  gut  die  seit  dem  klassisch  gewordene  Unterscheidung  zwischen
fixem  Kapital  und  Betriebskapital,  die  Amortisation  des  ersteren  gegenüber  der
völligen  Rückerstattung  des  zweiten.  Es  war  ihnen  auch  nicht  entgangen,  daß  eine
verständige  Erhöhung  der  primären  Vorschüsse,  eine  Verminderung  der  jährlichen
Vorschüsse  gestattet.
Diese  Gedanken  waren  damals  sehr  neu  und  sind  der  Wissenschaft  vollständig
einverleiht  worden,  nur  mit  dem  Unterschied,  daß  sie,  anstatt  allein  auf  die  landwirtschaftliche ­
  Produktion  beschränkt  zu  sein,  auf  alle  Produktion  überhaupt  ausgedehnt ­
  wurden.
3.  Die  grundlegenden  Vorschüsse  (avances  foncieres)  sind  die,  deren  Zweck
die  Vorbereitung  des  Bodens  für  die  Bearbeitung  ist  (offenbar  hätten  sie  besser
primäre  Vorschüsse  —  avances  primitives  —  genannt  werden  sollen).
Die  beiden  ersten  Arten  von  Vorschüsse  sind  die,  die  dem  Landwirt  zufallen
und  ihm  ein  Anrecht  auf  einen  Lohn  schaffen,  der  wenigstens  genügen  muß,  um  sie
zurückzuerstatten.
Die  dritte  Art  fällt  dem  Besitzer  zu  und  sie  ist  es,  die  ihm  ein  Recht  auf  den
Grundbesitz  gibt.“  Ehe  man  einen  Pächter  einsetzen  und,  eine  jährliche,  regelmäßige ­
  und  fortlaufende  Feldbestellung  vornehmen  kann,  sind  Gebäude,  Scheunen  und
Ställe,  Wege,  Pflanzungen,  Bodenbearbeitung,  Entfernung  von  Steinen,  Stämmen  und
Wurzeln,  Wasserlaufregnlierungen  und  Schutzstätten  nötig.  —  Das  sind,  werter  Herr,
die  grundlegenden  Vorschüsse,  die  wahren  Arbeiten  des  Besitzers,  die  wahre  Begründung ­
  seines  Besitzrechtes“  (Baudeau,  Ephemerides,  Mai  1776,  Antwort  a»
Condillac).
            
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