Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Viertes  Buch.  Die  Abtrünnigen.

Systems,  in  dem  die  Produktion  und  sogar  der  Verbrauch  den  Verordnungen ­
  der  Behörde  unterworfen  sein  würde:  „Personen  und  Wille
sind  so  frei,  wie  sie  überhaupt  nur  in  der  Gesellschaft  sein  können“,
sagt  er  an  einer  Stelle 1 ),  und  „Gesellschaft“  bedeutet  für  ihn  notwendigerweise ­
  Zwang.  Seine  Befürchtungen  liegen  wo  anders.  Zunächst ­
  in  seinem  Abscheu  vor  jeder  revolutionären  Umwälzung.  Und
dann  erschreckt  ihn  die  mangelhafte  Erziehung  der  Massen:  sie
würden  heute  noch  nicht  die  Notwendigkeit  verstehen,  einen  gewissen
Teil  ihres  Einkommens  zu  opfern,  um  einigen  Menschen  zu  gestatten,
in  Frieden  die  Künste  und  die  Wissenschaften  zu  pflegen,  diese  beiden
schönsten  Früchte  der  Zivilisation.  Weiterhin  ist  heute  überall  das
ungerechte  Eigentum  mit  dem  von  der  Arbeit  geschaffenen  Eigentum
verschmolzen:  „Es  (das  Grundeigentum)  hat  seinem  Unrecht  so  viel
Kecht  beigemischt“,  sagt  er,  „daß  man  das  wahre  Eigentum  nur  mit
empören  würde,  wenn  man  sofort  schon  Hand  an  das  falsche  legen
wollte“ 2 ).
Daher  muß  auf  alle  Fälle  ein  Kompromiß  gefunden  werden.  Da
von  den  beiden  Einrichtungen,  die  heute  die  Quelle  der  Ungerechtigkeit ­
  sind  —  dem  Eigentum  und  der  Vertragsfreiheit  —,  das  erste  nicht
ohne  Nachteil  abgeschafft  werden  kann,  so  versuchen  wir  wenigstens,
die  zweite  zum  Verschwinden  zu  bringen.  Behalten  wir  (vorläufig)
das  Eigentum  bei:  aber  schaffen  wir  die  Vertragsfreiheit  ab.  Hierdurch ­
  werden  wir,  auch  wenn  wir  das  arbeitslose  Einkommen  nicht
sofort  zerstören  können,  zum  wenigsten  seinen  schwerstwiegenden
Nachteil  verbessern:  das  Sinken  des  proportionalen  Anteils  der  Arbeit
an  dem  Produkt.  Auf  diese  Weise  werden  zur  gleichen  Zeit  der
Pauperismus  und  die  Krisen  verschwinden 8 ).
Schon  heute  kann  dies  geschehen.  Möge  der  Staat  den  Wert
des  sozialen  Gesamtproduktes  in  Arbeit  einschätzen,  möge  er  den
Bruchteil  dieses  Wertes,  den  die  Arbeiter  zu  erhalten  haben,  festsetzen, ­
  möge  er  für  diese  Summe  an  die  Unternehmer  (jedem  gemäß
der  Anzahl  der  von  ihm  beschäftigten  Arbeiter)  Lohnbons  verteilen,

*)  Kapital,  S.  212.
2 )  Ebenda,  S.  228.
s )  „Daher  glaube  ich,  wie  die  Geschichte  von  jeher  <nur  in  Kompromissen
fortgeschritten  ist)  auch  nur  ein  Kompromiß  zwischen  Arbeit  und  Grund-  und
Kapitaleigentum  die  nächste  Aufgabe  unserer  Wissenschaft  ist.“  Kapital,  S.  228.)
In  einem  Brief  vom  18.  September  1873  an  E.  Meyeh  (Bf.  Nr.  130,  S.  318—319)
erklärt  er,  daß  „das  große  Problem“  darin  besteht,  uns  „auf  friedlichem  Entwicklungswege ­
  aus  unserer  auf  dem  Grund-  und  Kapitaleigentum  beruhenden  abgelebten
Staatenordnung  in  die  geschichtlich  ihr  folgende,  auf  dem  Verdienst  oder  reinem
Einkommenseigentum  sich  gründende,  schon  in  den  meisten  sozialen  Verhältnissen
wie  zur  Geburt  sich  regende  und  rührende  höhere  Staatenordnung  allmählich  einzuführen“. ­

            
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