Full text: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel III. Der Marxismus. 
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b) die auf die Erzeugung des Lebensunterhaltes des Arbeiters 
verwendete Anzahl Stunden zu verringern. Wenn der Arbeitgeber 
sie von 5 Stunden auf 3 Stunden beschränken kann, so ist es klar, 
daß er durch dieses Verfahren, obgleich es das Gegenteil des vorher 
gehenden ist, ebenfalls seinen Mehrwert von 5 auf 7 Stunden erhöht. 
Diese Verringerung tritt nun selbsttätig ein, und zwar auf Grund 
all der industriellen Vervollkommnungen oder irgendwelcher Organi 
sationen, die darauf abzielen, die Kosten des Lebensunterhaltes zu 
verbilligen, wie zum Beispiel durch Schaffung kooperativer Konsumver 
eine 1 ).' Der Kapitalist kann aber hierzu auch seinerseits beitragen, 
besonders durch die Errichtung von sogenannten philanthropischen 
Wirtschaftseinrichtungen, oder durch die Beschäftigung von Frauen’ 
und Kindern, die zu ihrem Unterhalt eine geringere Menge 
Lebensmittel bedürfen, als erwachsene Arbeiter. Wiederum haben 
sich nun die Fabrikanten beeilt, dies zu tun, — indem sie die Be 
schäftigung von Frauen und Kindern so verallgemeinerten, daß dem 
Manne bald keine andere Arbeit übrig blieb, als das Haus zu 'be 
wahren und über die Mittagssuppe zu wachen! — bis zu dem Tage, 
an dem auch hier wieder die Gesetze einschritten, und durch das 
Verbot oder die Regelung der Frauen- und Kinderarbeit dieser Taktik 
ebenfalls ein Ziel setzten 2 ). 
Dies ist in kürzestem Abriß die Beweisführung von Marx. Die 
wirklich selbständige Ursprünglichkeit dieses Nachweises liegt darin, 
daß sie nicht aus banalen Vorwürfen und Anklagen gegen die Aus 
beutung der Arbeiter und die Habsucht der Ausbeutenden besteht, 
sondern daß sie klar erklärt, wie der Arbeiter bestohlen wird, trotz- 
>) Auch die Entwicklung des Maschinismus strebt nach der Theorie des 
Marxismus darauf hin, die Kosten des Lebensunterhaltes zu verringern und infolge 
dessen auch den. Preis der Arbeit, indem der Preis der Kleidung, der Möbel usw., 
und sogar (wenn auch in geringerem Maßstab) der der Nahrungsmittel fällt. 
Aber, wird man eiuwerfen, der Maschinismus muß doch infolge derselben Gründe 
den Wert der Arbeitserzeugnisse zum Sinken bringen und daher auch den Mehr 
wert vermindern? — Durchaus nicht! Man darf nicht die Wertverminderung jeder 
durch die Maschine hergestellten Einheit mit dem gesamten Wert der durch 
die Maschine hergestellten Erzeugnisse verwechseln. Der Meter Tuch, der auf der 
Webmaschine hergestellt ist, ist viel weniger wert, als der Meter Tuch, der mit der 
Hand hergestellt ist, aber der tägliche Wert der auf der Maschine hergestellten 
Menge Tuch muß dem Wert des mit der Hand hergestellten Tuches gleich bleiben, 
unter der Annahme, daß dieselbe Anzahl Stunden auf seine Herstellung verwendet 
worden ist. 
2 ) Es gibt noch andere Mittel, die Marx anführt, die zur Mehrarbeit an 
treiben und folglich den Mehrwert erhöhen: wir erwähnen nur die Intensivierung 
üer Arbeit — nicht, daß sie den Wert des Produktes erhöhe, da derselbe einzig 
au f der Arbeitszeit beruht und nicht auf ihrer Intensität, sondern weil sie die 
Produktionskosten der Unterhaltsmittel verringert.
	        
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