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Fünftes Buch. Die Lehren der neuesten Zeit.
natürliche Gesetze zurückwies, und die Möglichkeit leugnete, auf sie
eine Wissenschaft, nämlich ein System zusammenhängender Lehrsätze
zu gründen. Sie hatte aus der Nationalökonomie eine Art Klassifi
kation von beobachteten Tatsachen gemacht.
Es war vorauszusehen, daß der Pendelschlag, der die Zeit in der
Geschichte der Ideen mißt, die der abstrakten Methode günstige
Stunde wieder herbeiführen würde. Dies ist denn auch eingetreten.
Gerade in dem Augenblick, als die Lehren der historischen Schule im
Zenith standen, gegen 1872—1874, beanspruchten mehrere hervor
ragende Volks Wirtschaftler, gleichzeitig in Österreich, in England, in
der Schweiz und in Amerika mit Nachdruck für die Nationalökonomie
das Recht, sich als exakte Wissenschaft aufzubauen, oder, wie sie
sagten, reine Ökonomik zu sein. Wie zu erwarten, rief dieser
Anspruch einen lebhaften Streit zwischen den Vorkämpfern der
historischen und denen der neoklassischen Schule hervor, hauptsächlich
zwischen den Professoren Schmoller und Karl Menger.
Das wichtigste Kennzeichen dieser neuen Schule liegt darin, daß
sie als das klarste Prinzip, auf das sich diese Wissenschaft gründen
ließe, die Tatsache findet, daß jeder Mensch die Lust sucht und die
Unlust scheut und sich unter allen Umständen bemüht, das Maximum
der einen mit dem Minimum der anderen zu erreichen l ). Es liegt
auf der Hand, daß eine so folgenschwere Tatsache — die übrigens
weit über das Bereich der Wirtschaft hinausgeht, da sie überall in
der Natur als das „Prinzip des kleinsten Mittels“ herrscht, — den
klassischen Volks Wirtschaftlern nicht entgangen war. Nur nennen sie
es einfach persönliches Interesse; heute heißt es hedonistisches Prinzip,
von dem griechischen Wort rjöovrj Vergnügen, Annehmlichkeit. Daher
stammt der Name, unter dem wir diese beiden Schulen zusammen
gefaßt haben.
Indem auf diese Weise alle Beweggründe, die die Tätigkeit des
Menschen bestimmen, auf einen einzigen zurückgeführt werden, will
diese Schule sicherlich nicht alle anderen leugnen. Sie behauptet
nur, das Recht zu haben, die Abstraktion anzuwenden, ohne die
eine exakte Wissenschaft unmöglich ist, das Recht, aus dem Be
obachtungsfeld alle anderen Faktoren als den, den man untersuchen
will, auszuschließen. Den anderen sozialen Wissenschaften bleibt es
überlassen, die anderen Beweggründe der menschlichen Handlungen
zu studieren. Der Homo oecouomicus, den man bei den Klassikern
’) „Die im folgenden ausgeführte Theorie ist vollständig auf eine rechnerische Ein
stellung des Vergnügens und der Mühe [der Lust und der Unlust] aufgebaut; die Aufgabe
der Volkswirtschaft besteht darin, das Maximum an Glück, das verwirklicht werden kann,
zu bestimmen, indem die größtmögliche Menge an Vergnügen mit der geringstmög
lichen Mühe erworben wird“ (Stanley Jbvons, Theory of political economy).