Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel  I.  Die  Hedonisten.

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so  stark  verspottet  hatte,  ist  wieder  zu  Ehren  gebracht  und  sogar
noch  vereinfacht  worden;  er  ist  zu  einem  schematischen  Menschen
geworden.  Die  Menschen  werden  nur  noch  als  Kräfte  betrachtet,  die
durch  Pfeile,  wie  in  den  Zeichnungen  eines  Lehrbuches  der  Mechanik,
dargestellt  werden.  Es  handelt  sich  darum,  nachzuweisen,  was  sich
aus  ihren  Beziehungen  untereinander  oder  ihren  Rückwirkungen  auf
die  Umwelt  ergibt.
Wir  werden  auch  sehen,  daß  diese  Schule  ungefähr  zu  dem
gleichen  Schluß  kommt,  nämlich,  daß  die  absolut  freie  Konkurrenz
das  Maximum  an  Befriedigung  für  einen  jeden  verwirklicht.  Auch
hierin  erneuert  sie,  abgesehen  von  den  Vorbehalten,  die  wir  weiter
unten  machen  werden,  die  große  klassische  Überlieferung.
So  zeigt  sich  daher  die  neue  Richtung  der  alten  klassischen
Schule  eher  sympatisch  gesinnt.  Sie  drückt  ihr  gegenüber  sogar  eine
Art  kindlicher  Anhänglichkeit  aus  1 ).
Nichtsdestoweniger  wirft  sie  der  klassischen  Schule  zwar  nicht
grobe  Irrtümer  vor,  —  da  sie  ja  ihrerseits  zu  ungefähr  den  gleichen
Folgerungen  kommt  —,  aber  sie  beschuldigt  sie  doch,  nicht  imstande
gewesen  zu  sein,  ihre  Behauptungen  zu  beweisen  und  sich  allzu  leicht
mit  Schlüssen  begnügt  zu  haben,  die  nichts  als  Kreisschlüsse  waren.
Das  ist  ihr  besonders  geschehen,  so  oft  sie  versuchte,  die  Kausalzusammenhänge ­
  festzustellen,  ohne  sich  oft  darüber  klar  zu  werden,
daß  die  Ursache  ebenso  leicht  Wirkung  wie  die  Wirkung  Ursache ­
  sein  kann.  Man  muß  sich  damit  begnügen,  die  Beziehungen
oder  die  Übereinstimmungen  zwischen  Tatsachen  zu  untersuchen,  und
das  eitle  Bestreben  aufgeben,  herauszufinden,  was  Ursache  und  was
Wirkung  ist.
Es  handelt  sich  im  besonderen  um  die  drei  großen  Gesetze,
die  das  Gerüst  des  Gebäudes  der  wissenschaftlichen  Ökonomik
waren;  das  Gesetz  des  Angebots  und  der  Nachfrage,  das  Gesetz  der
Produktionskosten,  das  Gesetz  der  Verteilung  zwischen  den  drei
Faktoren  der  Produktion.  Sie  sind  nicht  zu  halten.  Gehen  wir  sie
kurz  durch.
Das  Gesetz,  auf  Grund  dessen  „der  Preis  im  direkten  Verhältnis
zur  Nachfrage  und  im  umgekehrten  Verhältnis  zum  Angebot  schwankt“,
hat  ein  so  mathematisches  Aussehen,  daß  es  wie  dazu  geschaffen  war,
die  Aufmerksamkeit  der  neuen  Schule  auf  sich  zu  ziehen.  Es  hat
auch  tatsächlich  als  Brücke  zwischen  der  alten  und  neuen  Ökonomik
gedient  —  aber  einmal  hinübergelaugt,  hat  die  neue  Schule  diese
’)  „Die  Irrtümer  der  klassischen  Volkswirtschaftler  sind,  sozusagen,  nur  die
gewöhnlichen  Kinderkrankheiten  (ordinary  diseases  of  childhood)  einer  jeden  Wissenschaft.“ ­
  Böhm-Bawekk,  The  Austrian  Economists,  in  „Annals  of  the  American
Academy  of  Political  and  Social  Science“,  Januar  1891).
            
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