Full text: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel I. Die Hedonisten. 
605 
Die Kurve des Angebotes verhält sich natürlich umgekehrt wie 
die vorhergehende, steigt, wenn der Preis steigt, und fällt, wenn der 
Preis fällt. Hieraus ergibt sich, daß es niemals ein Angebot zum 
Nullpreis gibt, während im Gegenteil die Nachfrage zum Nullpreis 
ganz außerordentlich — wenn auch nicht unendlich — groß ist, und 
keine Grenzen hat, als die der Yerbrauchsfähigkeit 1 ). 
Masse zugänglich zu sein, weil die kleinen Börsen viel zahlreicher sind als die 
großen, und daher eine auch nur geringe Erniedrigung des Preisniveaus die Ware 
viel weiteren Bevölkerungsschiehten zugänglich macht. Doch kann die Kurve die 
verschiedensten Formen annehmen. Für gewisse Produkte, wie das Getreide oder 
das Salz, zieht eine starke Preiserniedrigung keine große Absatzerhöhung nach sich. 
Für andere wieder, wie z. B. die Diamanten, würde eine starke Preiserniedrigung 
vielleicht den Erfolg haben, indem sie die jetzige Wertschätzung in das Gegenteil 
verkehrt, jede Nachfrage zum Aufhören zu bringen. 
Die Kurve des Angebots dagegen ist gewöhnlich konvex, weil das Angebot, 
das nur bei einem gewissen Preis auftritt, gegen Preiserhöhungen sehr empfindlich 
ist und beim geringsten Steigen der Preise schnell zunimmt, aber bald zu einem 
Stillstand gelangt, weil die Produktion nur langsam zu folgen vermag, pede claudo; 
es ist sogar möglich, daß von einem bestimmten Punkte an das Angebot geringer 
wird, einfach weil es keine verfügbaren Produkte mehr auf dem Markte gibt. 
*) Das folgende Schaubild zeigt beide Kurven, die des Angebots und der 
Nachfrage: 
Die arabischen Ziffern der Horizon 
talen bezeichnen die Preise; die römischen 
Ziffern der Vertikalen die nachgefragten 
Mengen. So ist in dem obigen Bilde bei ^ 
einem Preise von 1 (eine Mark, ein 
Franken, ein Pfennig, wie man will) die ^ 
nachgefragte Menge VII; bei einem Preise VIII 
von 9 ist die naohgefragte Menge 0. ^ 
Die punktierte Linie des Angebotes 
zeigt beim Preis 1 das Angebot mit III; 
beim Preise 6 steigt das Angebot auf VII V 
nnd bleibt fast stationär ... In keinem |y 
Fall erreicht die Kurve des Angebots die 
Achse der Ordinate, da diese Achse bei 
Preis 0 liegt, und das Angebot lange vor II 
dem Preise 0, d. h. wenn Gegenstände | 
umsonst zu haben sind, aufhört. 
Selbstverständlich kann der Aus- ( 
tausch nur zustande kommen, im Palle 
Angebot und Nachfrage zu einem Gleichgewicht gelangen, und dieser Punkt b ist 
gerade der, in dem sich die beiden Linien des Schaubildes schneiden, nämlich dort, 
wo die Menge V mit dem Preise 2 zusammentrifft. 
Die vertikalen Linien heißen Ordinaten, und die, die als Ausgangspunkt 
dient (hier 0-X), heißt Koordinatenachse. 
Die Entfernungen von dieser Linie (nur auf der Horizontalen eingezeichnet) 
beißen Abszissen. Jeder Punkt der Kurve wird von der Entfernung bestimmt, 
die ihn von der Achse der Ordinaten und der Abszissen trennt. Um z. B. zu erfahren,
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.