Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel  I.  Die  Hedonisten.

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anderen  Gegenstandes  ansrechnen  zu  wollen.  Diese  Aufgabe  überlassen ­
  sie  den  Spekulanten  1 ).
Von  den  Gegnern  der  Klassiker,  womit  ich  sagen  will,  von  den.
Wirtschaftshistorikern,  den  Interventionisten,  den  Solidaristen  und
all  den  verschiedenen  „sozialistelnden“  Richtungen  haben  die  Hedonisten ­
  eine  nicht  weniger  scharfe,  aber  ebensowenig  gerechtfertigte
Kritik  gefunden.  Sie  sahen  in  den  hedonistischen  Doktrinen  den
Versuch  einer  Wiederaufrichtung  der  alten  manchesterlichen  oder
optimistischen  Lehren  —  mit  ihrem  ganzen  Gepäck  an  Individualismus, ­
  Egoismus,  Vorzügen  der  freien  Konkurrenz,  Harmonie  des  persönlichen ­
  und  des  allgemeinen  Interesses,  Rechtfertigung  der  Bodenrente, ­
  des  Zinses  und  des  erbärmlichsten  Lohnes  im  Namen  einer
rätselhaften  Wesenheit,  die  man  Grenznutzen  nennt;  und  zu  guter  letzt
den  Beweis,  daß  die  bestehende  wirtschaftliche  Ordnung  die  beste  aller
möglichen  sei  —,  eine  um  so  gefährlichere,  oder  auf  jeden  Fall  um  so
unerträglichere  Wiederherstellung,  da  sie  sich  auf  die  reine  Wissenschaft ­
  beruft  und  Anspruch  auf  mathematische  Unfehlbarkeit  erhebt.
Auch  diese  Kritik  ist  nur  ein  Zerrbild.  Daß  die  neue  Schule
es  sich  zur  Aufgabe  gesetzt  hat,  das  Werk  der  Klassiker  fortzuführen,
ist  sicher,  und  hierin  kann  man  sie  nicht  tadeln.  Die  wirkliche
Wissenschaft  erkennt  man  daran,  daß  sie  den  geraden  Weg  verfolgt,
die  Königsstraße,  und  nicht  kleine  Fußpfade,  die  sich  in  alle  Wiesen
verlieren.  Und  was  die  Wissenschaft  der  Nationalökonomie  anbelangt,
so  ergeben  sich  für  sie  keine  Fortschritte,  wenn  jede  Generation  die
von  der  vorhergehenden  erworbenen  Resultate  über  Bord  wirft,  sondern
nur  dann,  wenn  man  das  Gute  behält  und  das  Schlechte  seinem
Schicksal  überläßt.  Dies  bemüht  sich  die  hedonistische  Schule  zu  tun.
Die  Theorien  des  Gleichgewichts  oder  des  Grenznutzens  bedeuten ­
  an  und  für  sich  keine  Rechtfertigung  der  bestehenden  Ordnung ­
 2 )  —  wenn  man  diesen  Ausdruck  in  seinem  apologetischen  und
normativen  Sinne  nimmt  —,  sie  erklären  sie,  was  etwas  ganz
anderes  ist.  Aus  dieser  Erklärung  ergibt  sich  allerdings,  daß  auf
Guem  freien  Markte  die  Dinge  in  der  Weise  vor  sich  gehen,  daß
die  größtmögliche  Anzahl  der  Austauschen  den  den  größtmöglichen
Vorteil  erzielen  muß.  Das  Wort  Vorteil  muß  aber  in  seinem  hedonistischen ­
  Sinne  genommen  werden.  Es  schließt  keine  Vorstellung
von  ausgleichender  Gerechtigkeit  ein  und  kümmert  sich  weder  um  die
l )  „Wir  kennen  die  genaue  Beziehung  nicht,  die  die  Funktion  an  das  Wandelbare,
•he  Stärke  des  übrigbleibenden  Bedürfnisses  an  die  vorher  verbrauchte  Menge  kettet,
aber  wir  nehmen  an,  daß  jedem  Wert  der  zweiten  Eeihe  ein  bestimmter  Wert  der  ersten
ßeihe  gegenüber  steht“  (Aupetit,  Theorie  de  la  Monnaie,  S.  42).
.  2 )  Als  tiefschürfende  Widerlegung  dieser  Kritik  siehe  zwei  Aufsätze  von  Rist,
■kconomie  optimiste  et  Economie  scientifique  in  der  Revue  de  Meta-Physique
  et  de  Morale,  Juli  1904  und  Sept.  1907.
            
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