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Fünftes Buch. Die Lehren der neuesten Zeit.
Arbeiter zum anderen ungleich: Der eine schafft, ohne sich mehr zu
ermüden, mehr als sein Nachbar, und verdient mehr. Es gibt also
auch für den Arbeiter einen Zuwachsgewinn, eine Differentialrente!
— Aber nicht nur die Fähigkeiten der Arbeiter, auch die der Unter
nehmer sind verschieden. Die „G-eschicklichkeitsrente“ spielt sogar
eine wesentliche Rolle in dem wechselnden Erfolg der Unterneh
mungen und in den ungleichen Einkünften, die man davon bezieht.
„Die Zusatzgewinne, die ein Fabrikant oder ein Händler auf Grund
seiner höheren kaufmännischen Begabung erwirbt, oder die in einer
besseren Organisation seines Unternehmens begründet sind, sind ihrer
Natur nach der Bodenrente analog.“ So drückt sich Stuabt Mill j )
aus, indem er sich damit begnügt, einen, wie wir wissen, schon 1836
von Senior in seiner Political Economy dargelegten Gedanken
wieder aufzunehmen, wo Senior jeder „außergewöhnlichen Entlohnung“
für „außergewöhnliche körperliche oder geistige Eigenschaften“ den
Namen Rente gab 2 ).
Der einfache Hinweis, dem wir bei Mill und bei Senior be
gegnen, hat zu einer ausführlichen Theorie des Unternehmerprofits
Anlaß gegeben, in der man jeden Profit als die Entlohnung einer
außergewöhnlichen Fähigkeit betrachtet. Es ist die von dem Ameri
kaner Francis Walker 1883 in seinem „Grundriß der politischen
struktion weniger leisten —, so bleiben die Preise höher als die Produktionskosten
auf den besseren Maschinen (denen fremder Herkunft); so wird den Besitzern dieser
letzteren der Vorteil, den ihnen die Preiserhöhung verschafft, gesichert“. — Ebenso
schreibt Mangoldt (Die Lehre vom Unternehmergewinn, Leipzig 1865) auf
S. 55 wie folgt: „Die Rente zeigt sich am klarsten und ausgedehntesten auf dem von
der Landwirtschaft in Gebrauch genommenen Boden; sie ist aber in allen Kapitalien,
die nicht vermehrbar sind, oder die man nur durch andere, die teurer sind, ersetzen kann,
oder die eine geringere Produktivität aufweisen, nicht weniger sichtbar usw.“ (nach
dem franz. Text, d. Übers.). Ricardo selbst hat vielleicht an die Kapitalrente gedacht,
als er sagte: „Der Tauschwert aller Produkte, seien sie Manufakturerzeug
nisse, oder Erzeugnisse der Bergwerke oder des Bodens, wird stets nicht von der
geringsten Menge Arbeit, die zu ihrer Produktion notwendig ist, geregelt,... sondern
von der größten Menge Arbeit, die notwendiger weise auf sie ver
wendet werden muß, und zwar von denen, die fortfahren, sie unter den
schlechtesten Bedingungen herzustellen, worunter die Bedingungen zu verstehen sind,
die man notgedrungen annehmen muß, um die nachgefragte Menge des Produktes zu
erzeugen“ (Principles, Kap. II, § 27). — Doch sprechen die englischen Schriftsteller
nur selten von der Kapitalrente, weil für sie die Rente stets, in Analogie mit dem
Boden, natürliche Unterschiede in der Produktivität voraussetzt, Unterschiede, die
nicht dem Eingreifen des Menschen unterworfen sind.
*) Stuart Mill, Principles, B. III, Kap. X, § 4.
2 ) „Denn“, sagt er: „es ist selbstverständlich ein Überschuß (ein Differential
gewinn), da die Arbeit schon zu dem normalen Lohnsatz bezahlt worden ist, und
zwar ein Überschuß, der ein spontanes Geschenk der Natur darstellt“ (angeführt von
Cannan, Ppoduction and Distribution 8. 198). Vgl. oben S. 897.