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Fünftes Buch. Die Lehren der neuesten Zeit.
organisieren, mit einem Wort, in der Anpassung der Produktion an
die Nachfrage. Der Unternehmer ist der wirkliche „Führer“ des ge
sellschaftlichen Fortschrittes 1 ), der wahre „General“ der Industrie.
Dies festgestellt, so bestehen zwischen den industriellen Unter
nehmungen, sagt Walkee, die gleichen Einkommensnnterschiede, wie
zwischen landwirtschaftlichen Betrieben. Die einen erzielen über
haupt keinen Profit; wenn sie ihre Kapitalien und Arbeiter in nor
maler Höhe entlohnt haben, verschaffen sie dem Unternehmer nur
gerade genug, um ihn davon abznhalten, das Unternehmen aufzu
geben. Andere bringen ein wenig mehr ein, und so gelangt man
fast unmerklich von diesen mittelmäßigen Unternehmungen zu vor
teilhafteren Anlagen und zum Schluß zu denen, die ihren Besitzern
ungeheuere Profite abwerfen. Sind nun diese Profite nicht von dem
Lohn der Arbeiter genommen? Keineswegs. Oft sind die Löhne
dort am höchsten, wo der Profit am höchsten ist. Woher kommen
sie daher, wenn man alles andere als gleich annimmt? Sie beruhen
einzig und allein auf den größeren persönlichen Fähigkeiten des
Unternehmers. Es sind dies „Überschüsse“, die in jeder Hinsicht
der Bodenrente gleichen. „Unter einer Herrschaft der freien und
vollkommenen Konkurrenz“, sagt Walker, „würde der erfolgreiche
Arbeitgeber eine Entlohnung erhalten, die genau an der Zusatzmenge
von Gütern gemessen werden kann, die er mit einer gegebenen Menge
von Arbeit und Kapital mehr erzeugt, als (mit der gleichen Menge
Kapital und Arbeit) die Arbeitgeber der letzten Kategorie erzeugen
können, — nämlich die, die überhaupt keinen Gewinn erzielen, —
genau wie die Bodenrente den Mehrertrag der besseren Felder an
dem mißt, was mit der gleichen Menge Kapital und Arbeit auf den
wenigst produktiven Feldern hervorgebracht wird, die zur Versorgung
des Marktes noch unentbehrlich sind, und die selbst keine Rente
mehr abwerfen * 2 ).“
Die Theorie Walkbr’s enthält einen guten Teil Wahrheit, doch
ist sie nicht so neu, wie er es denkt. Der Beweis dafür liegt in den
Ausführungen Mill’s und Senior’s, von denen weiter oben gesprochen
wurde. Auch könnte man hier mehr als einen Volkswirtschaftler
des Kontinents anführen, von J.-B. Say über Hermann 3 ) bis auf
Mangoldt. Auch ist auf der anderen Seite seine Lehre unter den
*) Er faßt seine Funktionen wie folgt zusammen; „Besitz technischer Geschick
lichkeit, kaufmännischer Kenntnisse und administrativer Fähigkeiten, Übernahme von
Verantwortlichkeiten, wachsame Bereitschaft gegenüber allen Ereignissen, Form
gebung und Leitung der Produktion, Organisation und Kontrolle der ganzen indu
striellen Maschinerie“ (Wages Question, S. 245).
2 ) Walker, Quarterly Journal of Economics, April 1887, S. 278.
s ) Hermann, Untersuchungen, S. 206; betreffend J.-B. Say, vgl. oben S. 127.