Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Fünftes  Buch.  Die  Lehren  der  neuesten  Zeit.

weise  Paeeto’s  anzuwenden  v ).  sind  die  von  einem  bestimmten  Kapital
gelieferten  Renten  mehr  oder  weniger  dauerhaft  je  nachdem  die  Ersparnisse ­
  sich  mehr  oder  weniger  leicht  in  ein  solches
Kapital  verwandeln  lassen.  In  der  Zusammenfassung  seiner  scharfsinnigen ­
  Erklärungen  über  den  vorliegenden  Gegenstand  erklärt
Maeshall:  „Wenn  wir  von  den  freien  Geschenken  der  Natur  zu  den
ständigen  Meliorationen  des  Bodens,  von  da  zu  weniger  dauerhaften
Verbesserungen,  und  von  diesen  wieder  zu  landwirtschaftlichen  oder
Fabrikgebäuden,  zu  Dampfmaschinen  usw.  und  endlich  zu  weniger
dauerhaften  Instrumenten,  die  sich  am  schnellsten  wieder  herstellen
lassen,  übergehen,  so  finden  wir  eine  fortlaufende  Skala  (von  Renten)“ 2 ).
Und,  so  können  wir  anfügen,  die  Skala  läuft  bis  zu  dem  Punkte
fort,  wo  die  Rente  negativ  wird,  nämlich  bis  zu  dem  Punkt,  an
dem  die  Bedingungen  des  Angebots  und  der  Nachfrage,  nachdem
sie  einen  Zusatzgewinn  gestattet  haben,  das  Einkommen  aus  dem
Produktivmittel  unter  die  normale  Höhe  drücken.  Thünen  hatte
schon  die  negative  Rente  aufgezeigt,  und  Paebto  hat  diesen  Begriff
wieder  aufgenommen.
Für  die  modernen  Schriftsteller  ergeben  sich  daher  die  Renten
einfach  aus  den  Gesetzen  des  Angebots  und  der  Nachfrage.  Hierdurch ­
  gewinnt  der  Begriff  der  Rente  seine  ganze  Allgemeinheit.  Zu
gleicher  Zeit  hört  er  auf,  eine  Merkwürdigkeit  oder  eine  Anomalie
zu  sein.  Das  angebliche  Gesetz  des  sinkenden  Ertrages  verliert  derart

‘)  „Die  Summe,  die  man  für  den  Gebrauch  des  Bodens  zahlt,  unterscheidet
sich  in  nichts  von  der  Summe,  die  man  für  den  Gebrauch  jedes  anderen  Kapitals
zahlt,  z.  B.  den  einer  Maschine.  Wenn  man  den  Boden  —  oder  die  Maschine  —  im
gleichen  Zustand,  wie  man  sie  erhalten  hat,  zurückgibt,  so  zahlt  man  noch  etwas
dazu,  einfach  deshalb,  weil  diese  Kapitalien  wirtschaftlich  selten  sind,  d.  h.
weil  sie  in  unserer  Eeichweite  nicht  in  einer  Menge  vorhanden  sind,  die  die  übersteigt, ­
  deren  wir  bedürfen.  Was  den  Boden  von  der  Maschine  unterscheidet,  ist,
daß  das  Gesparte  sich  leicht  in  neue  Maschinen  umwandeln  läßt,  während  es  sich
gewöhnlich  nicht  in  neuen  Boden  verwandeln  kann,  oder  wenigstens  kann  diese
Umwandlung  nur  zu  Preisen  geschehen,  die  sie  wirtschaftlich  unmöglich  machen.“
Pabeto,  Cours  d’economie  politique,  B.  II,  §  759).  —  In  analogen  Ausdrücken ­
  sagt  Marshai.l  ;  „Der  Unterschied  zwischen  der  Bodenrente  und  den
Quasi-Eenten  anderer  Gegenstände  (Marshall  nennt  Quasi-Eenten  die  Einkommen, ­
  die  der  Bodenrente  ähnlich  sind,  aber  nicht  aus  Naturquellen  fließen)
beruht  auf  der  Tatsache,  daß  der  Mietspreis  der  anderen  Gegenstände,  unter  gewöhnlichen ­
  Umständen  und  auf  die  Dauer,  die  normalen  Profite,  die  sich  über  die
Produktionskosten  hinaus  ergeben,  nicht  weit  übersteigen  kann,  während  das
Angebot  an  fruchtbarem  Boden  sich  der  Nachfrage  nach  solchem  Boden  nicht  schnell
genug  anzupassen  vermag;  deshalb  vermag  das  Einkommen,  das  daraus  gezogen
werden  kann,  ständig  die  normalen  Profite,  die  sich  über  die  Ausgaben  für  die
Vorbereitung  des  Bodens  auf  die  Kultur  ergeben,  weit  zu  übersteigen“  (Principles,
B.  V,  Kap.  IX,  §  4).
*)  Maeshall,  Principles,  B.  V,  Kap.  IX,  §  5.
            
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