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Fünftes Buch. Die Lehren der neuesten Zeit.
Sie beschränkt es aber auf diese wirtschaftliche Solidarität, die
ihr genügend erscheint, und die sie für die beste hält, die man sich vor
stellen kann, auch wenn es von uns abhinge, sie neu zu organisieren.
Selbst der ausschweifendste Traum kann nichts besseres schaffen,
als eine Ordnung, die auf Grund der Teilung der Funktionen tag
täglich für alle Menschen die Reziprozität der geleisteten Dienste
verwirklicht, und, wie Bastiat sagt, die Fabel vom Blinden und
Lahmen ins Leben überträgt:
„Ich werde für dich gehen, und du wirst für mich
sehen.“
Es genügt, sagt die liberale Schule, die Dinge gehen zu lassen,
um, unter dem Druck der Konkurrenz, den Grundsatz „Einer für Alle“
zu verwirklichen: liegt es denn nicht im Interesse eines jeden Pro
duzenten, die Bedürfnisse, den Geschmack, die Phantasien des Marktes
in Betracht zu ziehen und sich zu bemühen, sie, so gut er kann, zu
befriedigen? Wenn er anders handelt, so geht er zugrunde. Ihn
zwingt also, und zwar mit viel größerer Kraft als eine sittliche
Pflicht es tun könnte, die berufliche Notwendigkeit selbst zum Altruis
mus, — denn was ist Altruismus anders als die beständige Sorge,
den Bedürfnissen anderer zu genügen oder sogar für andere zu
leben 1 ). Solidarität besteht aber nicht nur zwischen Produzenten
und Verbrauchern, sondern auch zwischen Kapital und Arbeit. Kann
doch keiner dieser beiden Faktoren für sich allein produzieren, und
ist doch ihr Interesse das gleiche, nämlich: daß die zwischen ihnen
zu verteilende Menge so groß wie möglich sei. Ebenso besteht aber
auch zwischen Nationen Solidarität, da eine jede um so mehr Aus
sicht hat, Absatzmärkte für ihre Produkte zu finden, je reicher die
anderen Länder sind, usw.
Auch sind alle diese Solidaritäten in Übereinstimmung mit def
Gerechtigkeit, da ein jeder den Gegenwert dessen, das er liefert, er
hält. Und was will denn nun der Solidarismus dieser bewunderungsr
würdigen, von der Natur gegebenen Organisation hinznfügen? —
ganz einfach den Parasitismus * 2 ).
*) „Der Produzent sorgt sich jeden Augenblick um ihr Wohlsein (das seiner
Kunden) . . . sein Gefühl umfaßt die ganze Menschheit . . . der Kaufmann, der
Spediteur sind auf der Suche nach dem, was den Leuten, für die sie arbeiten, am
besten Zusagen könne, durch welche Kombinationen sie neue Kunden finden, d. h.
immer mehr Personen Dienste leisten können.“ Diese Zeilen, von denen man glauben
könnte, daß Bastiat sie geschrieben habe, sind einem merkwürdigen kleinen Buche
von Yves Gdyot entnommen: La Morale de la Conourrence.
2 ) „Die Solidarität dient den Leuten als Vorwand, die von der Frucht der Arbeit
anderer profitieren wollen, den Politikern, die das Bedürfnis empfinden, sich auf
Kosten der Steuerzahler Anhänger zu suchen: es ist einfach ein neuer Name, den