seinem kaufmännischen Beruf behindert zu sein. Wie für
Jacob und Anton Fugger, war auch für ihn die Handelsmetropole
Augsburg vor allem der günstigste Platz zur Ausübung seiner
Geschäfte. Besondere Liebe zu seiner Vaterstadt dürfen wir
bei ihm nicht suchen. Gesellschaftlich gehörte er mit seiner
Familie, wie wir schon erwähnten, zu den ,,Mehrern,“ die mit
dem Patriziat in naher Verbindung standen. Als dann 1538 neue
Familien ins Patriziat aufgenommen wurden, gehörten auch
die Paumgartner zu den Auserwählten 1 ).
Die Familie war so äusserlich in der Stadt geehrt, aber
innerlich mit ihr zerfallen. Die Augsburger Bürger hassten
die „grossen Hansen“, in denen sie nur Wucherer sahen, die
durch ihre Monopole die Lebensmittel verteuerten und sich so
auf Kosten der kleinen Leute bereicherten. Anderseits war
den Grosskaufleuten das zünftische Regiment ein Greuel.
Dazu kam dann noch besonders die Art, wie man sich in Augs
burg zur Hauptfrage der Zeit, der religiösen, stellte. Von
Anfang an war die Stadt der neuen Lehre zugetan gewesen. Die
Paumgartner jedoch blieben, wie die meisten andern Gross
kaufleute, katholisch, da sie als Besitzende an sich schon einer
konservativen Anschauung huldigten. Auch fanden sie für ihre
Handelsinteressen auf katholischer Seite damals mehr Ver
ständnis als bei den Reformatoren, die bekanntlich den Kauf
leuten nicht gewogen waren 2 ). Endlich fielen für ihre Haltung
auch noch die nahen Beziehungen ins Gewicht, die sie zu den
Habsburgern, der katholischen Vormacht Deutschlands, hatten.
Die religiöse Bewegung hatte in Augsburg somit ihren
hauptsächlichsten Rückhalt in den Zünften, also mehr bei
den Handwerkern und kleinen Leuten, die auch vor gewalt
tätigem Vorgehen bei der Einführung der Reformation nicht
zurückgeschreckt waren. Als dann vollends im Jahre 1537
der Rat durch Vertreibung des Bischofs und der katholischen
*) Ihre einstige Zugehörigkeit zum Nürnberger Patriziat und die
Tatsache, dass sie schon seit 50 Jahren in Augsburg zu den Herren
geschlechtern geheiratet, machte ihre Aufnahme möglich. Vgl. Dir r:
Kaufleutezunft und Kaufleutestube in Augsburg zur Zeit des Zunftregi
ments (1368—1548), in: Ztschr. d. Hist.Ver. f. Schw. u. Nbg. 35 S. 138 ff.
— Derselbe: Zur Gesch. der Augsb. Zunftverfassung: Ebenda, Bd. 39.
2 ) Luther bekämpfte bekanntlich in seiner Schrift: Von Kauffs-'
handlung und Wucher, Wittenberg 1524, das Zinsnehmen und die
Monopolien der Kaufleute aufs schärfste.