111
Die darauf ins Leben gerufenen Banken bestanden nur kurze Zeit.
Sie wurden bald von anderen Instituten überragt und gingen infolge
dessen in die im Jahre 1800 gegründete Bank von Frankreich aus
(siehe diesen Abschnitt).
Die im November 1852 mit großen Hoffnungen von den Brüdern
I s a a c und Emil P e r e i r e ins Leben gerufene 8 0 oivto gene
rale de Credit mobilier — gemeinhin Credit mobilier
genannt — mußte bereits 1867 in Liquidation treten *).
Aufgabe dieses Kreditinstitutes, das ein Gegengewicht gegen die übergroße
Macht der Banken und Bankiers, insbesondere des Hauses Rothschild, sein
sollte, war u. a. „Zeichnung und Erwerbung öffentlicher Effekten, Aktien und
Obligationen bei den verschiedenen als anonyme Gesellschaften konstituierten
industriellen und Kreditunternehmungen; Emission ihrer eigenen Obligationen;
Verkauf oder Verpfändung aller erworbenen Effekten, Aktien und Obligationen;
Submission auf alle Anleihen". Das Kapital betrug 60 Millionen Fr. und ist
1866 verdoppelt worden. Die Bank wollte für die Summe, die sie in Aktien und
anderen Effekten angelegt hatte, eigene Obligationen ausgeben, und zwar bis
zur zehnfachen Höhe des Stammkapitals, also bis zu 600 Millionen Fr. Glück
licherweise ist die Obligationenausgabe durch den Staat verboten worden. —
Bei allem Unheil, das der Credit mobilier und ihre Gründer angerichtet haben,
soll man nicht vergessen, daß der Ausbau des französischen und teilweise auch
des auswärtigen Eisenbahnnetzes in den 1850er Jahren nicht zum wenigsten
dem Wagemut und der zähen Energie der Gebrüder Pöreire zu danken ist.
Unter den modernen Privatbanken nimmt neben der 8oeiete Cenerale
der im Jahre 1853 gegründete Credit Lyonnais die hervor
ragendste Stellung ein 2 ). Einen gewaltigen Aufschwung nahm das In
stitut seit Anfang der achtziger Jahre, als es, durch die Erfahrungen des
Bontoux-Krachs (1882) gewitzigt, sich nunmehr fast ausschließlich
dem Kommissions- und Depositengeschäft widmete. Unter der umsichtigen
Leitung von Henry Germain (f 1905) entstand das sein geästelte
Filialen- und Depositensystem des Credit Lyonnais, das auch für Banken
Z Literatur: M. Aycard, Histoire <l» Credit mobilier. 1852—1867.
Brüssel 1867. I. Plenge, Gründung und Geschichte des Credit mobilier.
Tübingen 1903.
2 ) Siehe auch C. Hegemann, Die Entwicklung des französischen Groß-
bankbetriebes. Freiburg 1908. Eugen Kaufmann, Das französische
Bankwesen. Tübingen 1911. B. Mehrens, Die Entstehung und Entwicklung
der großen französischen Kreditinstitute. 1911. Über Organisation auch mein
„Bankgeschäft", Bd. I.