6. Die Monopole und der Staat.
Ein Mißbrauch der Macht der Monopole ist selbstverständlich immer
möglich. Die Art der Mißbräuche wird aber wesentlich bestimmt von dem
Geist, der das ganze politische und gesellschaftliche Leben beherrscht.
Dort, wo die Korruption keine Ausnahmeerscheinung ist, wo mit den
wechselnd zur Herrschaft gelangenden Parteien auch ein weitgehender
Wechsel der Beamtenschaft oder ihrer Gesinnung erfolgt, wo Günst
lingsherrschaft, Beamtenpostenschacher, Bestechungen an der Tages
ordnung sind, dort wird auch das Wirtschaftsleben das gleiche Bild zeigen
und die Auswüchse auf diesem Gebiet werden sich nicht eher beseitigen
lassen, ehe nicht auch in den politischen und gesellschaftlichen Verhält
nissen ein Wandel eingetreten ist. Wo die moralischen Prinzipien so all
gemein mit den Füßen getreten werden, ist mit gesetzlichen Maßnahmen
allein eine Besserung nicht zu erreichen.
Wo ferner die Auswüchse der Monopole ihre Stütze finden in einem
mangelhaften Aktienrecht oder in der Möglichkeit die Eisenbahnen in
einseitigem Interesse auszunutzen, da muß zunächst einmal auf diesen
Gebieten Ordnung geschaffen werden.
Hier sollen nur die Maßregeln zur Sprache kommen, die sich gegen
die Mißbräuche richten, die aus dem Wesen der Kartelle und Trusts als
monopolartige Organisationen entspringen, und diese richten sich gegen
die Preispolitik. Die Abhängigkeitsverhältnisse, die durch die Gewäh
rung von Rabatten oder durch die Forderung des ausschließlichen Bezugs
vom Kartell oder Trust entstehen, sind notwendige Folgen des Zweckes
der Organisationen und können so lange nicht als ein Mangel bezeichnet
werden, als die Preise angemessen sind. Auch die Kämpfe gegen die Außen
stehenden, sei es, daß sie vom Kartell selbst geführt werden, sei es, daß
die Hilfe eines anderen Kartells in Anspruch genommen wird, das durch
Lieferungs- oder Absatzsperre die Widerstrebenden niederzuzwingen
sucht, erhalten erst ihre Beleuchtung durch die Preispolitik der Kartelle.
Ist die Existenz des Kartells und der Trusts eine Notwendigkeit und
entspricht die Preispolitik der Konjunktur und der Gesamtlage des In
dustriezweiges, dann wird die Schärfe der angewandten Kampfmittel
ganz anders zu beurteilen sein.
Die Ausführungen über die Preispolitik zeigen aber, daß es kaum