Full text : Geld-, Bank- und Börsenwesen

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Da  am  Anfang  des  Krieges  infolge  des  enorm  anschwellenden  Zahlungsmittelbedarfs
  die  vorhandenen  Zahlungsmittel  nicht  ausreichten,
suchte  der  Verkehr  sich  vielfach  durch  Ausgabe  von  Notgeld  zu  helfen
(siehe  S.  93).  Als  im  September  1914  die  Reichsdruckerei  mit  der  Lieferung ­
  der  Darlehnskassenscheine  zu  2  und  1  M  begann,  war  es  möglich,
den  Bedarf  des  Verkehrs  nach  kleinen  Zahlungsmitteln  zu  befriedigen
und  dieses  Notgeld  wieder  aus  dem  Verkehr  zu  ziehen.  Später  erschien  es
wieder  in  Scheinen  zu  10,  25  und  50  Pfennigen,  die  von  Kommunen  zur
Behebung  des  Kleingeldmangels  ausgegeben  wurden.
Infolge  des  dauernden  Marksturzes  war  die  Reichsbank,  obgleich  sie
neben  der  Reichsdruckerei  135  Druckereien  im  Reich  mit  dem  Notendruck
beauftragt  hatte  Z,  zeitweise  nicht  in  der  Lage,  so  viel  Noten  in  Verkehr
zu  geben,  wie  benötigt  wurden.  Kommunen  und  Industrie  wurden  daher
zur  Ausgabe  von  Notgeld  ermächtigt.  Vom  Herbst  1923  ab  wurde,  auf
Grund  entsprechender  Beträge  Goldanleihe,  wertbeständiges  Notgeld ­
  ausgegeben.
Je  mehr  Noten  in  Verkehr  gegeben  wurden,  desto  g  e  r  i  n  g  c  r  w  n  r  d  e  i  h  r
Gesamtwert.  Mitte  Januar  1923  stellte  der  Gesamtbetrag  der  im  Umlauf
befindlichen  Ncichsbanknoten  einen  Wert  von  509  Millionen  Goldmark  dar.
Mitte  April  1923  —  bis  dahin  hatte  sich  der  Goldwert  der  Mark  ziemlich  stabil
gehalten  —  war  diese  Summe  auf  1162  Millionen  Goldmark  gestiegen.  Nun
begann  die  Entwertung  der  Mark:  Bis  zum  15.  Oktober  1923  war  der  Goldwert ­
  der  umlaufenden  Banknoten  auf  138  Millionen  Goldmark  gefallen,  um
dann  bis  zum  15.  November  1923  auf  155  Millionen  Goldmark  zu  steigen.
Infolge  der  Stabilisierung  der  Valuta  steigt  der  Goldwert  des  sich  immer  noch
vermehrenden  Notenumlaufs  bis  Ende  November  auf  400  Millionen  Goldmark.
Ende  Dezember  1923  betrug  der  Goldwert  der  umlaufenden  Reichsdanknoten
und  Rentenbankscheine  1547,  Ende  Januar  1924  1686  und  Ende  Februar
2012  Millionen  Goldmark 1  2 ).
Hieraus  ergibt  sich  die  Wahrheit  des  Satzes,  daß  bei  stabilen  Währungsverhältnissen, ­
  wo  die  Umlaufsgeschwindigkeit  des  Geldes  eine  geringere  als
bei  schwankender  Währung  ist  chier  sucht  jeder  das  empfangene  Geld,  um  es
vor  Entwertung  zu  schützen,  möglichst  rasch  wieder  los  zu  werden!),  die  Gesamtsumme ­
  der  Umlaufsmittel  steigt,  während  sie  bei  sich  entwertender  Valuta,
nach  dem  Geldwert  berechnet,  abnimmt.
1)  Uber  die  hierbei  angewendeten  Vorsichtsmaßregeln  berichtet  die  Schrift
von  E  r  w  i  n  C.  B  a  n  ck,  Die  Notenpresse.  Leipzig  1924.  Poeschel  &  Trepte.
2)  Bei  Kriegsausbruch  wurde  in  Deutschland  der  Vorrat  an  Zahlungsmitteln
einschließlich  Noten  auf  6,1  Milliarden  M  geschätzt.
            
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