1924 in Anspruch genommene Kontingent begrenzt. Es ist dies natürlich
ein ganz roher Maßstab, da er rein zufällige Verhältnisse zugrunde legt,
ein rauher Eingriff in das fein geästelte Getriebe der
Wirtschaft. Viele Ungerechtigkeiten ergaben sich daraus! Die Neichs-
bank aber erklärte auf alle Beschwerden: Es m u ß sein! Wir müssen diese
harte Maßnahme treffen, so lange das feinere und organisch wirkende
Mittel der Diskontpolitik noch nicht wieder seine Wirkung ausüben kann.
Die Reichsbank blieb hart und wich nur in seltenen Ausnahmefällen von
diesem Prinzip ab, beschnitt sogar noch in manchen Fällen den Diskont
kredit, wenn sie der Ansicht war, daß der Kredit volkswirtschaftlich schäd
lich wirke, z. B. wenn er zur Durchhaltung übergroßer Bestände diente.
So erfolgten Kredit einschränk ungen bei Angehörigen ganzer Be
rufszweige. Die freigewordenen Beträge und auch noch Summen darüber
hinaus wurden von der Reichsbank benutzt, um hier und dort — cs war
aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein! — den Kredit etwas zu
erweitern.
Eine Erhöhung der Kreditkontingente um 10 %, die im September
1924 offiziell zugestanden wurde, konnte keine wesentliche Besserung der
Kreditnot bringen. Daneben sind auch, inoffiziell, einige weitere Erhöhun
gen der Kontingente erfolgt, wie die Ausweise der Reichsbank zeigen.
Doch mögen sich dabei auch zahlreiche „eingefrorene Kredite" —
„Stockwechsel" nennt sie die Reichsbank — befunden haben.
Im Vergleich zur Vorkriegszeit hat die Reichsbank ihre Kredite erhöht.
Das kann man, trotzdem die Summen nicht glatt miteinander verglichen
werden können, ohne weiteres sagen. Zu berücksichtigen ist aber da
bei, daß vor dem Kriege der Kreditbedarf der Wirtschaft in erster Linie
von den Banken, Genossenschaften, Privatbankfirnien nsw. befriedigt
wurde, während der Diskontkredit der Reichsbank mehr als letzte Reserve
diente.
Betrug im Durchschnitt der Jahre 1911, 1912 und 1913 der Wechselbestand
der Reichsbauk 915, 1110 bztv. 1030 Millionen M, so war er Ende 1924 ans
1879 Will. RM angewachsen, Ende 1925 auf 1329 Will. RM zurückgegangen,
Ende 1926 wieder auf 1413 Will. RM gestiegen. In diesen Summen sind die
Rentenbankwechsel enthalten. Andererseits ist aber zu berücksichtigen, daß die
Reichsbauk, im Gegensatz zu früher, Ende 1925 473, Ende 1924 493 Millionen
RM Wechsel im Rediskont sbei Staatsbanken, Reichsbehörden nsw.) be
geben hatte. 1926 hatte sie keine Wechsel mehr rediskontiert.
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