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So ging die Legende im Bauernvolk umher. Inzwischen siechte
Lenin dahin, gepflegt von Nadeschda Konstantinowa Krupskaja
in einem Häuschen des Dorfes Gorki bei Moskau. Was
arziliche Kunst zu leisten vermochte, geschah für Rußlands ersten
Volkskommissar. Wechselnde Nachrichten liegen bald seinen Tod
nahe bevorstehen oder gaben Hoffnung auf baldige Genesung.
Wenige Tage vor dem Tode konnte die treue Pflegerin berichten:
„Bei uns steht alles gut. Er ist auf die Jagd gefahren... ist guter
Laune — scherzt und lacht. Die Aerzte sind nunmehr der Ansicht,
daB er bis zum Sommer sprechen wird.‘“ Statt der fortschreitenden
Besserung kam am 21. Januar 1924 die Nachricht vom Tode Lenins.?}
Jet schlummert Vladimir I”i& unter dem massigen Monument
auf dem „Roten Plab‘“ in Moskau, überzinnt von der alten Kreml-
mauer, beschattet von den goldenen Kuppeln der vieltürmigen
Kathedrale Iwans, beibenannt des Schrecklichen. — Muschik, Grasch-
danın, Towarischisch pilgern zu dem bleichen Antlıb des einst so
starken, nun starren Kämpfers, das kühl und ruhig zu ihnen blickt aus
dem „glasernen Sarge“.
27) Neuerdings bringt wichliges, wenn auch nur skizzenhaftes Material
bei: „Leo Trokbkiı über Lenin“. Berlin, Neuer Deutscher Verlag, 1924. 8%.
Sehr wichtiges Material über die philosophischen Anschauungen Lenins,
die er in seinem Buche „Empirio Kritizismus“ niederlegte, ist in der Schrift
„Lenin Briefe an Maxim Gorki 1908—1913“ (126 S.), Wien: Verlag für Lite-
ratur und Politik, 1924, 8%, enthalten.