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Sega 1 ). Vom Aktienhandel wird gesagt, er sei „ein Auszug aller Betrügereien,
ein Schatzgräber von nützlichen Dingen und doch ein Herd des Unheils". Drei
Arten der Käufer unterscheidet der Verfasser:
1. die vornehmen und ruhigen Kapitalisten, die sich um den Kurs nicht be
kümmern und nur Dividende beziehen wollen:
2. die Kaufleute, die Aktien kaufen, in der Hoffnung, sie später wieder mit
Nutzen verkaufen zu können, und
8. die Spieler, die das Kaufgeld häufig schuldig bleiben und die Geschäfte
nötigenfalls prolongieren.
Den Besitzern von Wertpapieren werden viele gute Ratschläge erteilt; so z. B„
daß man jeden Gewinn ohne Zögern mitnehmen und nachher, wenn das Papier
noch weiter steigt, keine Reue empfinden solle; man solle die Aktien nicht zu lange
festhalten, sich mit ihnen nicht „verheiraten". Die Gewinne aus dem Börsenspiel
seien Koboldgeschenke, Karfunkel steine, Kiesel und Morgentau.
Ein Kurszettel der Amsterdamer Börse aus dem Jahre 1747 meldet
Kurse für 44 verschiedene Wertpapiere; am Ende des 18. Jahrhunderts
war ihre Zahl auf 110 gestiegen. Nach der Eroberung Hollands durch
die Franzosen erfolgte ein rascher Niedergang der Amsterdamer Börse.
Mittelpunkt des internationalen Fondsverkehr wurde unter dem Einfluß
der Rothschilds und Beth mann die Frankfurter Börse.
Mit ihr rivalisierte später die Londoner Börse.
Über die heutige Amsterdamer Börse s. Abschnitt X.
4. Entwicklung der deutschen Börsen.
In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts entstanden Börsen in
Augsburg und Nürnberg, in der zweiten Hälfte in Hamburg
und Köln, im Anfang des 17. Jahrhunderts in Königsberg,
Lübeck, Frankfurt a. M. und Leipzig. Die Haupthandels-
vbjekte an diesen Börsen wie an der in den ersten Jahrzehnten des
18. Jahrhunderts gegründeten Berliner Börse waren Wechsel.
Zur Abhaltung der Börsenversammlungen wies Friedrich Wilhelm I-,
der ebenso wie Friedrich der Große den Börscnhandel zu fördern bestrebt
war, den Berliner Kaufleuten ein Haus am Lustgarten, in der Nähe des
königlichen Schlosses, an. Die Versammlungen — Morgensprachen
genannt —, die anfangs nur zwei- bis dreimal wöchentlich abgehalten
wurden, fanden seit 1761 täglich statt.
st Von dieser Schrift: „Die Verwirrung der Verwirrungen", liegt eine Über
setzung von Otto P r i n g s h e i m vor sBreslau 1919).