Full text : Geld-, Bank- und Börsenwesen

29  O.  GW.  25.  A.

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die  erst  später  eingehen,  z.  B.  infolge  Rückzahlung  einer  Hypothek,  kann
man  bereits  vor  dieser  Zeit  durch  den  Zeithandel  anlegen  und  wird  es  tun,
falls  man  auf  eine  Steigerung  der  Kurse  rechnet.  Ebenso  werden  auch
häufig  für  den  Verkäufer  Gründe  vorhanden  sein,  die  Papiere  erst
später  zu  liefern.  Er  verkauft  seine  Papiere,  um  sich  den  Kurs  zu  sichern,
an  einem  früheren  Termin,  als  er  das  Geld  braucht.  Nicht  zu  unterschätzen ­
  ist  die  berufsmäßige  Börsenspekulation.  Sie  ist
volkswirtschaftlich  nützlich  und  unentbehrlich.  Diejenigen,  die  sie  ausüben, ­
  haben  naturgemäß  in  erster  Linie  ihr  eigenes  Interesse  im  Auge,
verhindern  aber  durch  ihre  den  Tatsachen  vorauseilende  Spekulation  Übertreibungen ­
  beim  Eintreten  dieser  von  ihnen  vorausgeahnten  Ereignisse.
Bei  ungerechtfertigt  starken  Rückgängen  treten  sie  als  Käufer  auf  und
bewirken  dadurch,  daß  das  geschwundene  Vertrauen  wiederkehrt.
Ebenso  nützlich  wie  die  Tätigkeit  der  Personen  sein  kann,  die  auf  das
Steigen  der  Kurse  spekulieren  (Haussiers),  können  es  auch  die  Operationen
derjenigen  sein,  die,  ungünstige  Ereignisse  voraussehend,  Papiere  verkaufen, ­
  die  sie  gar  nicht  besitzen  (Leerverkäufe  machen,  in  blanco  verkaufen),
also  auf  das  Fallen  der  Kurse  spekulieren  (Laissisrs,  Fixer)  in  der  Erwartung, ­
  die  Papiere  später  billiger  wieder  zurückkaufen,  „eindecken"  zu
können.  Die  Baissespekulation  (Kontermine)  kann  insofern  sehr  riskant
sein,  als  von  irgendeiner  Seite  alle  an  den  Markt  kommenden  Effekten
der  betreffenden  Gesellschaft  usw.  aufgekauft  sind  (corner,  Schwänze),  so
daß  der  Fixer  nicht  in  der  Lage  ist,  sich  einzudecken,  sondern  jeden  von  den
Aufkäufern  geforderten  Preis  bewilligen  muß.
An  den  englischen  und  amerikanischen  Börsen  werden  die  Haussiers  „vulls"
sStiere),  die  Baissiers  „Bear8"  (Bären)  genannt,  in  Frankreich  „ruinours"
bzw.  „contremineurs“.  In  Deutschland  gebraucht  man  für  die  Gesamtheit ­
  derjenigen,  die  „in  blaneo",  „ä  d(5couvert“  (ungedeckt)  verkaufen,  den
Ausdruck  „K  o  n  t  e  r  m  i  n  e".
Der  volkswirtschaftliche  Nutzen  der  Baissespekulation  besteht
darin,  daß  sie  in  Zeiten  aufsteigender  Konjunktur  den  Optimismus ­
  etwas  dämpft,  indem  sie  auch  an  die  ungünstigen  Momente  erinnert, ­
  in  Zeiten  wirtschaftlichen  Niederganges  oder
politischer  Aufregung  bewirkt,  daß  die  Fixer  sich  decken,
d.  h.  die  einzigen  Personen  sind,  die  als  Käufer  auftreten  und  dadurch  verhüten,
  daß  die  Papiere  infolge  des  allgemeinen  Mißtrauens  usw.  u  n  -
            
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