Full text: Kapitalismus und Sozialismus

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1,4. Der Sozialismus 
tung. Denn er erkennt nur einen Produktionsfaktor an: die Kr- 
beit. Die Herstellung der Güter kostet der wirtschaftenden Mensch 
heit nach seiner Auffassung Arbeit und nichts als Arbeit. Jedes 
Einkommen, das auf anderen Rechtstiteln als Arbeit beruht, ist ihm 
also ein ungerechtfertigter Abzug am Ertrag der Arbeit anderer. 
Me es gar nicht anders sein kann, so steht hinter dieser von einer 
sehr unzulänglichen nationalökonomischen Theorie ausgehenden Nri- 
tik aber zugleich die Vorstellung eines bestimmten Gesellschaftsideals. 
Dieses Gesellschaftsideal ist sogar die eigentliche Grundlage des 
wissenschaftlichen Sozialismus. Richt die nationalökonomische Theo 
rie des wissenschaftlichen Sozialismus hat fein Gesellschaftsideal ge 
schaffen, sondern umgekehrt, weil diesen Sozialisten ein bestimmtes 
Gesellschaftsideal vorschwebte, deshalb sind sie zu ihrer national- 
ökonomischen Theorie gekommen und halten so zäh an ihr fest. Rarl 
Marx war schon lange Sozialist, ehe er den Mehrwert entdeckte. 
Der Schopenhauersche Satz von dem willen, der sich den In 
tellekt zu seinem Dienste geschaffen hat, trifft auch hier zu. 
Die Vertreter des wissenschaftlichen Sozialismus, und ganz be 
sonders die Marxisten, haben e; allerdings vorsichtig vermieden, ein 
zusammenhängendes Bild ihres Zukunftsstaates zu entwerfen. Bei 
den Marxisten bildete es sogar einen Teil ihres Systems, alles Fragen 
nach den Einrichtungen des Zukunftsstaates, das „Zukunftsstaats 
fragespiel", als überflüssige und alberne Neugierde zurückzuwei 
sen. Die wirtschaftliche Entwicklung werde das „hineinwachsen in 
den Zukunftsstaat" schon ganz von selbst besorgen, ohne daß sich 
die Menschen die Näpfe darüber zu zerbrechen brauchten, wenn so 
der wissenschaftliche Sozialismus auch über die ihm vorschwebende 
Gesellschaftsorganisation sich ausgeschwiegen hat, so ist es doch nicht 
schwer, die wesentlichen Züge des Zukunftsstaats, der nach ihm das 
Ziel der Entwicklung bildet, zu entwerfen. Sie ergeben sich aus 
der Nritik, die er an den bestehenden Einrichtungen, andererseits 
aber auch an dem Gesellschaftsibeal des Nommunismus geübt hat, 
gewissermaßen von selbst.
	        
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