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sind und im Gegensatz zu den Stationen meist keine Beamten haben.
Soweit der Zug an diesen Punkten nach einem festen Fahrplan hält,
dauert der Aufenthalt durchweg nur einen kurzen Moment, ohne den
Förmlichkeiten (dreimaliges Läuten usw.) der Stationen zu genügen.
Die Zahl dieser „Plattformen“, „Posten“ und Weichenstellen (Rasjesd)
ist namentlich im östlichen Großrußland, jenseits der Wolga und im Ural,
aber auch im Gouvernement Moskau, sehr groß. Häufig ist die einzige
Kennzeichnung der Plattform oder des Rasjesds, an dem der Zug hält,
die Numerierung. Daß sogar der nur einmal in der Woche verkehrende
Schnellzug Petersburg—Wologda—Perm—Sibirien im Waldland auf
der Grenze der Provinzen Wjatka und Perm an einem Rasjesd und
südlich von Jekaterinburg an einem weiteren hält, desgleichen der
große Moskauer Sibirienzug in der Steppe zwischen Batraki und
Samara, mag beweisen, daß im Wald-, Berg- und Steppenland des
Ostens auch den kleinen Punkten eine gewisse Bedeutung zukommen
kann 1 ).
Verhältnismäßig gut sind mit Stationen und Haltestellen die Städte
ausgestattet. Fast jede größere Stadt und sehr viele kleinere Städte
haben zwei und noch, mehr Bahnhöfe. Häufig liegen freilich die Bahn
höfe an verschiedenen Strecken, die sich bei der Siedlung kreuzen.
Fast stets wurden in diesen Fällen die Bahnen von verschiedenen Gesell
schaften gebaut, die im Zeichen des ungeregelten Konkurrenzkampfes
und des mangelnden Gemeinsinnes kein Interesse an der Anlage eines
gemeinsamen Bahnhofes hatten. Erst später, zuweilen nach der Ver-
staatlichungsaktiori, wurden Verbindungsbahnen zwischen den Stationen
angelegt 2 ). Solche Verbindungsbahnen gibt es in Gatschina, Rjeshiza,
Polotzk, Baranowitschi, Dwinsk, Minsk, Newel, Rshew, Bachmatsch,
Brjansk und Lowitsch (Polen). Zwischen den Bahnhöfen der größten
Städte bestehen längere Verbindungsstrecken, so in Moskau die groß
artige, um die Stadt geführte Ringbahn, in St. Petersburg eine Bahn
zwischen dem Warschauer- und dem Nikolaibahnhof, während die An
schlußbahn vom Nikolai- zum finnischen Bahnhof beschlossen und
zurzeit noch im Bau ist. Neben den Bahnhöfen bestehen häufig noch
weitere Haltepunkte, namentlich in den Vororten und im Weichbild
der Stadt. Verhältnismäßig selten ist die Konzentrierung des Bahn
verkehrs in einem Hauptbahnhof erreicht worden. Im verkehrsreichen
Brest wurde für die vier verschiedenen Bahnsysteme bereits 1885 die
Anlage eines Zentralbahnhofs durchgeführt. Ferner ist die Zusammen
fassung des Verkehrs ermöglicht in zwei industrie- und verkehrsreichen
J ) Im amtlichen Kursbuch sind die kleineren Haltepunkte dadurch kenntlich
gemacht, daß bei ihnen keine Werstangaben gegeben sind.
2 ) In Rheinland-Westfalen sind ähnliche Anlagen kreuzender Bahnen in
Geldern, Dorsten und Dülmen vorhanden.