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Linie von Warschau über Radom nach Ostrowiez wäre in einer Länge
von 140 W zu erbauen. Diese Beispiele ließen sich noch sehr vermehren.
Wohl nirgends durchlaufen die Kurswagen zwischen zwei Städten so
seltsame, kreuz und quer sich anschließende Linien, wie in Rußland,
das beste Zeichen, daß das Bahnnetz noch große Lücken hat.
Einen der empfindlichsten Nachteile für den großen russischen
Verkehr bildete lange Zeit das Fehlen von Brücken. Bereits bei älteren
Bahnanlagen wurden häufig die Brückenbauten über große Flüsse auf
geschoben. Die Bahn von Rasdjelnaja nach Kischinew wurde schon 1871
gebaut, aber die Brücke über den Dnjestr bei Bender kam erst 1875
zustande. Bereits 1876 hatte das in der Steppe und am Wüstenrand
gelegene Orenburg seinen Schienenstrang erhalten, aber die gewaltige
Wolgabrücke bei Batraki wurde erst 1880 vollendet. Die private Loso-
waja-Sewastopolgesellschaft baute zwar im Jahre 1873 eine Zweiglinie
von Sinelnikowo bis jenseits Nischnednjeprowsk zum Dnjepr, aber die
Einmündung über den Fluß in das wichtige Jekaterinoslaw kam erst
1884 zustande, als der Staat mit dem Bau der Kriwoi Rögbahn auch die
1246 m lange Brücke anlegte.
Bis ganz vor kurzem überschritt als einzige Bahn die Wolga unter
halb Rybinsk, bis wohin man den Oberlauf des Flusses reichen lassen
kann, die sibirische Bahn. Erst neuerdings werden diese Unterlassungen
beseitigt. Auch hier greifen unsere Kartenwerke manchmal den Tat
sachen voraus. Bei den Wolgahäfen, fast regelmäßig bei Swijashsk
(—Kasan) verzeichnen sie die Brücken als bereits bestehend. Im Frühjahr
1913 wurde die Bahnbrücke bei Jaroslawl über die 700 m breite Wolga
vollendet, die zugleich mit dem Umbau der Schmalspurstrecke Jaros
lawl-—Wologda die Leitung von Zügen von Moskau über Wologda nach
Wjatka, Perm und Tscheljabinsk ermöglicht. Die Brücke über die
Wolga bei Swijashsk ist schon seit mehreren Jahren im Bau, aber immer
noch nicht fertig. Sie wird die Fahrt von Moskau nach Kasan erheblich
erleichtern und verbessern. Im Bau begriffen ist auch die Brücke über
die Wolga bei Simbirsk. Die jenseits der Wolga angelegte Bahn ist
von Tschasownja bereits bis Bugulma gediehen und wird nach Tschischmy
kurz vor Ufa in die sibirische Bahn geleitet werden. Im Verein mit der
auf dem rechten Ufer gelegenen älteren Strecke Insa—Simbirsk wird
die die sibirische Bahn entlastende Linie ein wertvolles Glied im inner
russischen Verkehr werden und Simbirsk zu einem sehr wichtigen Punkt
im Osten machen. Wie Jaroslawl über Nacht zur Großstadt erwuchs,
so wird auch Simbirsk ein vortreffliches Beispiel sein, wie verhältnis
mäßig schnell die Flußorte im Verein mit Eisenbahnen und Brücken
bauten auf blühen. Unterhalb Batraki erreichen 6 Bahnen die Wolga,
davon endigen allein 3 in Zarizyn. Auch an der unteren Wolga sind
nach den neuesten Beratungen Brückenbauten zu erwarten. In Be
tracht kommen in erster Linie Brücken bei Zarizyn und bei Saratow.