66
Die Arten und Formen der Wirtschaftsbetriebe.
Großhandelsauktionen oder der Warenbörsen (siehe Anhang), wobei ebenfalls eine
Vorfinanzierung des Importeurs in Frage kommen kann.
Aus dieser knappen Übersicht ist ersichtlich, daß es sich bei dem Export- und
Importgeschäft gleichfalls um besondere Aufgaben handelt, die arbeitsteilig
durchgeführt werden. Es gilt vor allem, einen Überblick über die Absatzmärkte,
Wünsche der Abnehmer, Kreditfähigkeit der Kunden einschließlich der Rechtsverhältnisse
des betreffenden Landes zu gewinnen (Exporteur), oder Geschäftsbeziehungen
zu ausländischen Herstellern anzuknüpfen (Importeur) und die Entwicklung
der Preise an den Märkten im Auge zu behalten. Insbesondere der Verkehr
mit unentwickelten Ländern erfordert große Vorsicht und Sachkenntnis,
andernfalls leicht Verluste durch Ausbleiben der Zahlungen eintreten können.
Darin liegt zugleich; je mehr sich der Unterschied zwischen entwickelten und unentwickelten
Ländern verwischt, je größer die Übereinstimmung der Handelsgewohnheiten
von Land zu Land werden, um so mehr entfallen die besonderen
Leistungen der Exporteure und Importeure, rücken die Exporteure und Importeure
im weiteren Sinne (siehe oben) in den Geschäftsbereich der ersteren ein.
Das führt abschließend zu der Frage der sog. Ausschaltungstendenz im Handel.
Aus dem Bestreben, möglichst billig einzukaufen und so vorteilhaft wie möglich
zu verkaufen, ergibt sich für jedes Glied der Handelsorganisation (siehe oben) der
Versuch, möglichst nahe an den Hersteller oder Verbraucher heranzukommen.
So sucht der ausländische Hersteller •— unter Umgehung des Aufkäufers und
Exporteurs — unmittelbar mit dem Importeur des anderen Landes oder dem inländischen
Großhändler oder Kleinhändler in Verbindung zu treten, und umgekehrt
schließen sich die Kleinhändler zusammen, um durch direkten Einkauf den Großhandel
auszuschließen. Jedes einzelne Glied sucht das voraufgehende oder nachfolgende
Glied zu überspringen: schließlich will der Hersteller unmittelbar an den
Verbraucher verkaufen. Diese Ausschaltungstendenz, die naturgemäß ständig
wirksam ist und letzthin auf die Einheimsung der Gewinne des auszuschaltenden
Gliedes hinausläuft, macht sich besonders stark in Zeiten schlechter Geschäftslage
bemerkbar, wenn der Wettbewerb groß ist und die Ausnutzung auch der kleinsten
Gewinnmöglichkeiten zum obersten Gebot der Selbsterhaltung wird.
Doch dürfen die Grenzen der Ausschaltung nicht übersehen werden. Der
Direkt-Bezug der Verbraucher kann daran scheitern, daß der Betrieb nicht auf
die Mengen eingerichtet ist, die der Hersteller abgibt oder üblicherweise zum Transport
(Schiffsladungen) zusammengefaßt werden. Vielfach fehlt in der ersten
Hand — beim Erzeuger •— noch die Sortierung; ebenso ist die Übersicht über die
Güte der Ware dem Direkt-Käufer häufig erschwert. Der Direkt-Bezug setzt die
Kenntnisse der Transportverhältnisse u. a. m. voraus. Wenn der Direkt-Verkäufer
den Handel ausschaltet, so ist er gezwungen, sich eine eigene Absatzorganisation
zuzulegen, das Risiko der Lagerhaltung mit entsprechendem Kapitalbedarf
zu übernehmen. In jedem Fall kommt es immer nur zur Ausschaltung des
betreffenden Gliedes, d.h. eines bestimmten Wirtschaftsbetriebes, das ausschaltende
Glied muß aber die Arbeit, Erfahrungen und Kenntnisse des ausgeschalteten
Betriebes übernehmen. Das gilt von jeder Ausschaltung, so daß in
jedem einzelnen Falle zu untersuchen ist, ob sich die rechnerischen Vorteile auch
wirklich erzielen lassen. Freilich kommt in der Gegenwart hinzu, daß die selbständigen
Handelsbetriebe, insbesondere die Großhandelsbetriebe, eine so große
Schwächung ihrer finanziellen Grundlagen (Kapitalkraft) erfahren haben, daß
ihre Ausschaltung mehr oder weniger von selbst, vielleicht sogar schon in einem
zu starken Ausmaß, erfolgt ist.
Der Krieg hat den deutschen Außenhandel fast vollständig zum Erliegen gebracht.
Nachher war es nicht immer leicht, die alten Geschäftsverbindungen wieder herzustellen, zumal