Full text : Der Wirtschaftsbetrieb als Betrieb (Arbeit)

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Die  Organisation.

Betrieb  aus  eigener  Machtvollkommenheit  eine  Fülle  von  mündlichen,  schriftlichen ­
  und  schauhildlichen  Verhaltungsmaßregeln,  Dienst-  und  Arbeitsanweisungen, ­
  Verfügungen,  Mitteilungen,  Rundschreiben  usw.,  die  alle  dem  Zweck  einer
Festigung  und  Stützung  der  betrieblichen  Arbeitsgestaltung  dienen 1 .  Vom  Befehl
über  den  Auftrag  und  den  Vorschlag  bis  zur  Bitte  sind  alle  Möglichkeiten  der
Willensübertragung  gebräuchlich,  von  der  allgemeinen  Richtlinie  bis  zum  letzten
Handgriff  sind  alle  Arbeitsvorgänge  festgelegt,  um  einmal  gehabte  Vorstellungen
und  verwickelte  und  wertvolle  Gedanken  oder  einmal  angestellte  Untersuchungen
auf  einen  breiteren  Kreis  von  Personen  zu  übertragen  und  vor  der  Vergessenheit
und  der  Verwirrung  und  Verfälschung  zu  bewahren.
Der  gesamte  Arbeitsprozeß,  der  —  als  Ganzes  und  in  seinen  einzelnen  Teilen  —
in  einem  vollständigen  System  von  Vorschriften  schon  im  Geiste  besteht,  ehe  er
im  einzelnen  Falle  begonnen  wird 1  2 ,  wird  nunmehr  auf  einzelnen  Blättern  und
Karten  schriftlich  niedergelegt  und  skizziert.  Auf  diese  Weise  entsteht  das  eindrucksvolle ­
  Hilfsmittel  der  organisatorischen  Stützung  gewissermaßen  als  das
Gerippe,  das  jede  Organisation  aufrecht  erhält  und  festigt,  das  Vordruckwesen  im
Betriebe 3 .  (Im  weiteren  Sinne  würden  natürlich  sogar  alle  Buchstaben  und
Zeichen,  welche  eine  schriftliche  Fixierung  von  Gedankengut  ermöglichen,  hierher
zu  rechnen  sein,  doch  soll  hier  nur  als  betriehsorganisatorisch  eigenartig  das  Vordruckwesen ­
  behandelt  werden.)  Der  Vordruck  ist  eine  einheitliche  Anordnung  von
Texten  und  Spalten  zwecks  Bekanntgabe  oder  Aufnahme  bestimmter  Betriebsvorgänge ­
 4 ,  welche  es  ermöglicht,  „daß  sich  regelmäßig  wiederholende  Geschäftsvorfälle ­
  ...  in  einer  ein  für  allemal  festgelegten  Form“  5  durchgeführt  werden  und
es  gestattet,  die  Abwicklung  von  Arbeitshandlungen  und  die  Erledigung  von
„Mitteilungen  in  der  geringstmöglichen  Zeit  zu  erfüllen“ 6 .  Seine  wesentlichen
Vorzüge  sind;  Verringerung  der  Denkarbeit  und  Verringerung  der  Schreibarbeit 7 ;
seine  wesentlichste  Wirkung  jedoch  ist  die  Zwangläufigkeit,  die  bewußte  Beschränkung ­
  aller  persönlichen  Zutaten  und  Zufälligkeiten  außer  den  vorbedachten
und  gewollten  und  daraus  —  als  Endwirkung  —  die  Zurückdämmung  von  Fehlern
und  persönlichen  Eigenheiten,  die  dem  organisatorischen  Betriebszweck  widersprechen. ­
  Kennzeichnende  Vordrucke,  die  die  Zwangläufigkeit  des  Vollzugs
sichern,  sind  zum  Beispiel  der  Kassenzettel  im  Warenhaus,  auch  die  Auftragskarte
und  der  Materialentnahmeschein  im  Fabrikbetrieb 8 ,  die  Effektenabrechnung  in
der  Bank.  Unbedingtes  Erfordernis  ist  naturgemäß  Klarheit  und  Eindeutigkeit
der  Anordnung  und  genaueste  Anpassung  an  den  gewollten  Betriebsablauf.  Eine
ungenaue  oder  überlebte  Einstellung  des  Formularwesens  ergibt  den  Formular-Schematismus
  in  Abwandlung  der  bekannten  „Macht  des  toten  Buchstabens“,
welcher  die  Überfälligkeit  oder  zeitliche  Sinnlosigkeit  von  Befehlen  oder  Anordnungen ­
  ausdrückt,  die  zur  Zeit  ihrer  Ausgabe  höchst  zweckmäßig  und  sinnvoll
gewesen  sein  mögen.
Neben  der  Arbeitsersparnis  und  dem  Zeitgewinn  9  ist  der  Gedanke,  sich  gegen
Unkenntnis,  Unachtsamkeit,  fehlendes  Verständnis  oder  mangelndes  Feingefühl
1  Über  Sohaubilder  s.  Alford-Frölioh;  Abschnitt  Schaubilder.
2  Sombart:  Hochkapitalismus,  S.  908.
3  Als  die  geschlossenste  Darstellung  ist  der  Abschnitt:  Vordrucke  von  Stillmann  in
Alford-Frölichs  Handbuch  für  industrielle  Werkleitung  (S.  95/133)  anzusehen;  er  ist  vom
Bearbeiter  auf  deutsche  Verhältnisse  umgearbeitet  worden.
4  le  Coutre-Thoms:  Orlex,  S.  530.  6  le  Coutre:  Betriebsorganisation,  S.  31.
6  Prelinger:  Arbeitsgestaltung  im  Büro,  S.  18.
7  le  Coutre-Thoms:  Orlex,  S.  530/31.
8  Siehe  Seyff  ert:  Der  Menschals  Betriebsfaktor,  sowie  Karsten:  Organisation  und  Leitung ­
  technischer  Betriebe.
a  Den  übrigens  Prelinger  sicherlich  zu  Unrecht  als  ausschlaggebend  ansieht.
            
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