Full text: Das Retablissement Ost- und Westpreußens unter der Mitwirkung und Leitung Theodors von Schön

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stellte sich noch höher als 1806/7, für Pferde ans 46%, für Rindvieh auf 
30 %. Dagegen waren die Verbranchsvorräte schon in dem früheren Kriege 
aufgezehrt und seitdem nicht wieder in größerem Umfang angesammelt 
worden. Die Bevölkerung hatte sich in den Jahren 1805 bis 1814 um etwa 
14% vermindert und lebte zum Teil in sehr ungünstigen Nahrungs 
verhältnissen; denn eine große Zahl von Gütern und Bauernstellen lag 
wüst. Als endlich ein dauerhafter Friede gesichert war, bot die Provinz 
Preußen ein trauriges Bild wirtschaftlicher Zerrüttung^). 
Die unmittelbaren Schäden des Krieges 1812—14, in dein oben 
begrenzten Umfang, sind nach roher Berechnung für Ostpreußen auf 8V,,, 
für Lithauen auf 10%, für Westpreußen auf 18%, insgesamt also auf etwa 
40 Millionen Taler veranschlagt worden?). 1806—14 würde demnach in 
Ostpreußen und Lithauen der unmittelbare Kriegsschaden auf stark 100 
Millionen?), in Westpreußen auf 50 Millionen zu berechnen sein. Außerdem 
ist aber noch der Freistaat Danzig mit 14 Millionen einzusetzen*). Bei vor 
sichtiger Schätzung ergibt sich sonnt für die spätere Provinz Preußen, wenn 
von allen indirekten, sicherlich sehr umfangreichen, aber nicht zu berechnenden 
Verlusten abgesehen wird, ein Schadenstand von mindestens einer 
halben Milliarde Mark?). 
Für uns ist an dieser Berechnung vor allem das Verhältnis der beiden 
V Die Notizen finden sich bei R adefeldt und in der „Gedrängten aktenmäßigen 
Darstellung usw.". 
2 ) Der Hin- und der Rückmarsch der französischen Armee im Jahre 1812 kosteten 
angeblich der Provinz Ostpreußen 6219527 Thlr. (nach der „Gedrängten aktenmäßigen 
Darstellung usw."), der Provinz Westpreußen 11474818 (Nachweisung der Regierung 
zu Marienwerder v. 21. April 1814. Bezzenberger S. 94); in dem Kriege von 1813/14 
betrugen die Leistungen Ostpreußens nach derselben Quelle 2052936, die Westpreußens 
7037393 (Übersicht v. 17. Mai 1814. Bezzenberger S. 110). Da aber bei diesen 
Berechnungen verschiedene Grundsätze obwalten, ist ebensowenig ein Verlaß auf 
sie wie auf die von Schön 9. Mai 1814 als Kriegsschaden Lithauens angegebene Summe 
von 10449417 Tlr., deren Mängel Schön selbst hervorhebt (Bezzenberger S. 98f.). 
R adefeldt nennt für Ostpreußen und Lithauen etwas höhere Sätze (11,53 Millionen 
und 12,175), sür Westpreußen rechts der Weichsel 9,5 Millionen. 
3 ) v. Borgstede berechnet in seinem I. B. v. 19. Nov. 1823 (Siehe unten S.34) 
den Schaden auf: 89547737. Er schließt dabei aber ausdrücklich aus: 5 allgemeine 
Landeslieferungen Einquartierungs-, Pferdelieferungs- und Vorspannkosten, sowie 
die durch Plünderung und Beschädigung entstandenen Verluste. 
4 ) M. Töppen a. a. O. S. 65f. 
6 ) Radefeldt berechnete für das Gouvernement rechts der Weichsel einen 
unmittelbaren Verlust von 132 Millionen und glaubte den mittelbaren (Sinken der 
Bodenrente, Verteuerung der Arbeitskraft und der Preise für sämtliches Inventar 
usw.) gleich hoch veranschlagen zu können. Bezzenberger S.32: „Bedenkt man die 
nicht greifbaren Verluste, so wird man mit Baczko es möglich finden, daß die Provinz 
1807—13 300 Millionen Thaler verloren habe."
	        
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