Full text: Das Retablissement Ost- und Westpreußens unter der Mitwirkung und Leitung Theodors von Schön

41 
oon ihm als Ideal erträumte soziale Zustand aus dem Nichts schassen ließe, 
wenn nur zunächst einmal mit dem bestehenden, mangelhaften Zustand 
aufgeräumt und jedes kranke und schwache Element ausgeschieden sei. So 
entsteht Schöns Neigung, „tabula rasa zu machen"'), die man bisher vor 
allem an seiner Bauernpolitik in den Jahren 1807—8 beobachtet hat, die 
aber auch später wirksam ist. — 
Auf solchen geistigen Voraussetzungen beruht Schöns Tätigkeit bei den: 
Retablissement seiner Heimatprovinz. „Daß die Nation sich selbst zu helfen 
suche, so viel sie kann", von diesem Grundsatz ging er aus»). Er war durch 
drungen von Fichtes Mahnung, daß „kein Mensch und kein Gott und keines 
>m Gebiete der Möglichkeit liegende Ereignis uns helfen kann, sondern daß 
allein wir selber uns helfen müssen, falls uns geholfen werden soll»)." 
Der Gedanke an die alles überwindende Kraft des Willens gab seinem 
Handeln die Richtschnur. Als im Jahre 1811 Schön in seinem Gum- 
binner Regierungsbezirke Anzeichen der Mutlosigkeit wahrnahm, ließ er 
an die Spitze des Amtsblattes den Götheschen Satz stellen: Wenn es 
brennt, so lösche, hats gebrannt, baue wieder auf. „Alles materielle 
Unglück war ihm eigentlich Bagatell, das durch einige Kraftanstrengung 
bald wieder ersetzt wird", so wird von ihm berichtet. Wie Schön in diesem 
Geiste Persönlich zu wirken und ihn anderen einzuflößen verstand, das wird 
uns anschaulich vergegenwärtigt, wenn wir einen Hilfesuchenden erzählen 
hören: „Er hat mir jede Staatsunterstützung rund abgeschlagen, ich möchte 
mir selbst helfen, aber ich glaube, ich werde es, denn ich gehe von ihm 
weg, nicht, als wenn mir Haus und Hof abgebrannt ist, nein, als wenn 
ich mir nur am Licht ein paar Haare versengt hättet" So ging eine Kraft 
von ihm aus, ohne die Schön nie jene beherrschende Stellung in der 
Provinz gewonnen hätte, die er lange Jahre innehatte. 
Die Weisheit der Verwaltung in einem vom Unglück heimgesuchten 
Lande ist nach Schöns Meinung wesentlich darin beschlossen, daß sie durch 
kluge Mittel die Selbsthilfe der Bewohner befördert: Der Staat soll den 
Geschädigten die Mittel an die Hand geben, die es ihnen ermöglichen, sich 
wieder emporzuarbeiten; er soll ihnen nicht diese Arbeit selbst abnehmen. 
Wo Not und Mangel herrscht, hat er die Aufgabe, den Notleidenden Ge- 
>) So zuerst Ernst v. Meier (Die Reform der Berwaltungsorganifationunter 
Stein und Hardenberg, 2. Ausl. S. 139), übernommen auch von en t 
Schöns, Franz Rühl (Nord und Süd 54, 1890, S. 190fs>). 
2 ) An Grüner 29. Januar 1812. Rühl I, 160. 
°) Sämtl. Werke VII, 268. m . »m^wib 
U Nach Erzählungen von Schöns Schwiegerfohn, von Brünneck-Be 1 
M. Baumann, Theodor v. Schön. Seine Geschichtsschreibung un 
Würdigkeit 1910, S. 184.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.