Full text : Das Retablissement Ost- und Westpreußens unter der Mitwirkung und Leitung Theodors von Schön

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aber  Hai  er  sich  später  zu  konservativeren  Ansichten  bekannt.  Er  hat
es  schon  1815,  wie  wir  hörten,  als  eine  Ungerechtigkeit  bezeichnet,  daß  der
Gutsbesitzer,  der  infolge  des  Krieges  in  Not  geraten  sei,  von  Haus  und
Hof  getrieben  werde,  um  dem  Kapitalisten  zu  seinem  Gelde  zu  verhelfen.
Damals  hielt  er  den  „sogenannten  Staatswirten,  die  da  sagten,  es  sei  gleichgültig, ­
  ob  A  oder  B  ein  Landgut  besitze"  —  wohlgemerkt,  er  hatte  selbst  zu
diesen  sogenannten  Staatswirten  gehört  —  entgegen,  daß  ein  zu  rascher
Besitzwechsel  den  Grund  und  Boden  zur  unsichersten  Kapitalsanlage  mache
und  alle  „Nationalität"  vernichte,  d.  h.  den  Stand  der  Grundbesitzer  auflöse. ­
  Andererseits  hat  er  aber  —  zumal  aus  dem  anders  gearteten  West-Preußischen
  Boden  —  daran  festgehalten,  daß  „der  Hilflose  nicht  zum  Nachteil
  des  Ganzen  hingehalten  werden  dürfe"^).  Er  klärte  seine  Ansichten
schließlich  dahin,  daß  es  staatswirtschaftlich  gleichgültig,  ja  sogar  vorteilhaft ­
  sein  könne,  wenn  A  ohne  Betriebskapital  sein  Eigentum  an  B  mit
Betriebskapital  abtreten  müsse.  Aber  politisch  sei  jede  allgemeine
Beränderung  des  Grundbesitzes  bedenklich  und  mache  deshalb  den
Zutritt  des  Staats  erforderlich»).  Die  Gefahr  eines  völligen  Umsturzes
der  sozialen  Verhältnisse  hat  er  in  seinen  ersten  Berichten  aus  Ostpreußen
1824/25  sehr  lebhaft  geschildert  und  es  als  seine  oberste  Aufgabe  bezeichnet,
„das  drohende  Unglück  einer  bedeutenden  Umkehrung  des
Grundbesitzes  zu  mildern"»)  und  auf  die  „Erhaltung  des  wichtigsten ­
  Stammes  der  Nation"*)  Bedacht  zu  nehmen.  Es  handelt  sich
hier  nicht  um  gelegentliche  Äußerungen,  sondern  um  ein  wesentliches  Stück
des  Programms,  mit  dem  Schön  nach  Ostpreußen  gegangen  ist.
Er  hat  später  gesagt,  die  Landschaft  sei  ein  „Hanptbeförderungsmittel
  dieser  Umkehrung  des  Grundeigentums"  gewesen,  insofern  sie,  um
ihre  Verbindlichkeiten  zu  erfüllen,  Sequestrationen  und  Verkäufe  veranlassen ­
  mußte;  deshalb  habe  er  ihr  Zuschüsse  zur  Zinszahlung  erwirkt,  um
sie  für  die  Erfüllung  ihrer  Verpflichtungen  sicherzustellen.  Nun  sind  freilich
gerade  unter  Schön  die  meisten  landschaftlichen  Subhastationen  erfolgt.
Gutsbesitzer  sorgen  .  ..,  so  müssen  wir  alle  Opiate  vermeiden  und  die  Krankheit  selbst
loyal  angreifen.  Dies  tut  der  Gedanke:  das  Geschäft  selbst  abzulösen."
*)  An  Bülow  14.  Dez.  1816  Geh.  St.  A.  XIV,  Sectio  3  Nr.  2.
2 )  An  v.  Oldenburg-Beisleiden  23.  Jan.  1823.  Königsberg  St.  A.  O.  P.  t
Nr.  15.  —  Aus  den  Papieren  111,  78.  —  Die  Unterscheidung  von  „staatswirtschaftlich"
und  „politisch"  Zweckmäßigem  findet  sich  schon  im  JB.  v.  12.  Aug.  1807  (Aus  den
Papieren  11,  103).
a )  Schön  an  Schuckmann  und  Lottum  24.  Mai  1824.  Geh.  St.  A.  89  6  XXI
Preußen  Gen.  2  vot.  1.
4 )  Schön  an  das  Staatsministerium  26.  Febr.  1823.  Königsberg  St.  A.  O.  P.
V  Nr.  10.  Ähnliche  Äußerungen  kehren  oft  wieder  in  Schöns  Korrespondenz  aus
dieser  Zeit.  Vgl.  das  Gutachten  v.  19.  März  1824;  Beilage  Nr.  11.
            
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