Full text: Das Retablissement Ost- und Westpreußens unter der Mitwirkung und Leitung Theodors von Schön

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Insofern hat Schön selbst die „Umkehrung" befördert, — weil er der Über 
zeugung war, daß nur durch eine solche Eisenkur eine Umkehrung in noch 
größerem Umfang verhütet werden könnte. Alexander Dohna hat im 
Mai 1824 in einem an Schön gerichteten MemoireH auseinandergesetzt, 
daß die Krisis der Landschaft so lange fortgehen werde, bis diejenigen Güter, 
die ihre Reste nicht tilgen könnten, subhastiert seien; Dohna hielt es für 
wahrscheinlich, daß zwei Drittel aller bepfandbrieften Güter, also fast 
400, verschlungen würden, falls nicht eine große Hilfe geleistet werden 
könnte. Hier lag die Gefahr: die schleichende Krankheit der Landschaft ver 
breitete das Übel auch unter den Gütern, die noch gesund und zu erhalten 
waren. Seit 1815 forderte der Generallandtag die strenge Absonderung 
und den Verkauf der „rettungslosen" Güter; noch 1823 war diese Forderung 
erneut erhoben worden. Die Landschaftsdirektionen sind aber zumeist nur 
schonend und langsam vorgegangen und haben das Reglement lax gehand- 
habt. 
Hier entschloß sich Schön rücksichtslos durchzngreifen! „Das Hinhalten 
der unrettbaren Güter, welche oft wie ein bonnm vaoans betrachtet werden, 
und die der Landschaft selbst zugeschlagenen Güter sind in Ost- und West 
preußen die Hauptquelle der Verlegenheit bei der jedesmaligen Zinsen 
zahlung. Wird das Übel nur durch baldigen Verkauf gehoben, werden diese 
Güter, bei welchen weder von Erhaltung einer achtbaren Familie noch von 
einer wirtschaftlichen Operation die Rede ist, nur bald verkauft, so wird 
die Lage der Landschaft schon wesentlich gebessert^)." — Solchen nüchternen 
Erwägungen entsprangen jene zahlreichen Zwangsverkäuse, die später 
hin Theodor von Schön den Ruf eines wilden Adelsfeindes eingetragen 
haben. Das entbehrt nicht einer gewissen Tragik; denn der „Liberale" Schön 
hat gerade in seinem Wirken für Ostpreußen seit 1824 konservativere Ab 
sichten gehabt als je vorher und nachher. Im Hinblick auf die Vorwürfe, die 
Schön später wegen seines Verfahrens gemacht wurden, verdient es Be 
achtung, daß im Jahre 1824 seine Grundsätze in Berlin ausdrücklich gebilligt 
wurden. Schuckmann urteilte, Schöns Ansicht sei durchaus richtig: der 
schleunige Verkauf solcher Güter, deren Besitzer nicht mehr zu retten seien, 
müsse auf alleWeise befördert werden, „um dieselben aus uukräftigen Händen 
an vermögende Leute zu bringen, damit aber sowohl der Landschaft, wenn 
sie auch an dem Nominalbeträge ihrer Forderungen einbüßt, ein ferneres 
Aufschwellen ihrer Forderungen zu ersparen und den Eingang desjenigen, 
0 v. 5. Mai 1824. Königsberg, Oberpräs. 
2 ) Schön an Schuckmann und Lottum 23. Aug. 1824. Geh. St. A. 89 0 XXI 
Preußen Gen. 2 vol. II. Die Berichte vom 19. März, 24. Mai u. 23. August 1824 
entwickeln Schöns Programm und Anträge. Die eben genannte Signatur ist im folgen 
den immer maßgebend, wenn nicht ausdrücklich eine andere angeführt wird.
	        
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