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zeugung nach in der allgemeinen Not nicht tun. „Daß derHerr von Schlieben,
der sich einbildet, durchaus 400000 Tlr. haben zu müssen, wenn ihm gleich
100000 gewiß sind, diese 400000 gerade habe, daraus kommt es nicht anft."
Wie der Graf von Schlieben sind auch von Brederlow auf Saalau,
von der Grüben auf Hasenberg und der Mannesstamm der Grafen von
Finckenstein keineswegs um ihren ganzen Besitz gekommen. Es handelte
sich bei den Subhastationen oft nur um eine Beschränkung, nicht um den
völligen Verlust des Familienbesitzes. Für die Zahl der fast oder ganz
besitzlos Gewordenen gibt die Liste derer, denen Pensionen bewilligt
wurden, einen Anhaltspunkt. Die Tradition, daß besonders Frauen Opfer
der Besitzveränderung geworden seien, findet hier eine gewisse Bestätigung.
Andererseits zeigt der Fall der Frau von Auerswald auf Rodmannshöfen,
daß Schön auch die Interessen alleinstehender Frauen sehr wohl zu wahren
wußte, wenn er der Überzeugung war, daß ein Besitz gehalten werden
konnte.
Es bleibt die Frage, zu wessen Gunsten der Besitzwechsel sich
vollzogen hat. Es ist zweifellos, daß der preußische Adel durch diese Sub
hastationen in seinem Besitzstand geschmälert worden ist. In welchem Um
fang er zu derselben Zeit diesen Verlust wettzumachen wußte, davon werden
wir später hören.
Im Landschaftsdepartement Marienwerder waren bis 2. Mai 1828
42 Güter in der Subhastation verkauft. Unter den Käufern finden sich
tl Adelige, 10 Pächter, Wirtschaftsinspektoren und Amtleute, 4 Kauf
leute und Bürger aus Bromberg und Graudenz, 1 Oberregierungsrat
aus Breslau^).
Unter den Erwerbern der 32 Gilgenburger Güter begegnen wir außer
dem schon genannten bisherigen Inspektor der Güter fünf Pächtern und
Administratoren, einem Oberförster, einen: Erbhauptamtsaktuarins, einem
Kaufmann, einem Köllmer, dem Land- und Stadtgerichtsdirektor Kern aus
Lübaus und nur einem Adeligen, den: Grafen Dohna-Reichertswalde
(für Ostrowitt). Daß diese Verbürgerlichung des adeligen Be
sitzes aber nicht eine allgemeine Regel war, zeigt das Beispiel der
Gerdauenschen Güter, deren Hauptmasse an adelige Besitzer kam.
Um den Vorgang richtig zu verstehen, wird man sich vor Augen halten
müssen, daß der Landadel damals noch keineswegs auf der Höhe wirtschaft
licher Tüchtigkeit stand, die er sich im Lause des neunzehnten Jahrhunderts
') Schön 17. März 1823. Hannover Nr. 23.
2 ) Danzig 161, 503.
3 ) Über Kern, der durch seine Wirtschaftsführung, namentlich durch Ansetzung
von Kolonisten aus seinen Gütern vorbildlich gewirkt hat, vgl. Möllenberg, Das
Majorat Döhlau S. 55 u. 61.