fullscreen: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel I. Die Hedonisten. 
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abgesehen von den Vorbehalten, die wir weiter unten machen werden, die 
große klassische Überlieferung. 
So zeigt sich daher die neue Richtung der alten klassischen Schule 
eher sympathisch gesinnt. Sie drückt ihr gegenüber sogar eine Art kind 
licher Anhänglichkeit aus 1 ). 
Nichtsdestoweniger wirft sie der klassischen Schule zwar nicht grobe 
Irrtümer vor, —■ da sie ja ihrerseits zu ungefähr den gleichen Folgerungen 
kommt, — aber sie beschuldigt sie doch, nicht imstande gewesen zu sein, 
ihre Behauptungen zu beweisen und sich allzu leicht mit Schlüssen be 
gnügt zu haben, die nichts als Kreisschlüsse waren. Das ist ihr besonders 
geschehen, so oft sie versuchte, die Kausalzusammenhänge festzustellen, 
ohne sich oft darüber klar zu werden, daß die Ursache ebenso leicht 
Wirkung wie die Wirkung Ursache sein kann. Man muß sich 
damit begnügen, die Beziehungen oder die Übereinstimmungen zwischen 
Tatsachen zu untersuchen, und das eitle Bestreben aufgeben, heraus 
zufinden, was Ürsache und was Wirkung ist. 
Es handelt sich im Besonderen um die drei großen Gesetze, die das 
Gerüst des Gebäudes der wissenschaftlichen Ökonomik waren; das Gesetz 
des Angebots und der Nachfrage, das Gesetz der Produktionskosten, das 
Gesetz der Verteilung zwischen den drei Faktoren der Produktion. Sie 
sind nicht zu halten. Gehen wir sie kurz durch. 
Das Gesetz, auf Grund dessen „der Preis im direkten Verhältnis zur 
Nachfrage und im umgekehrten Verhältnis zum Angebot schwankt“, hat 
ein so mathematisches Aussehen, daß es wie dazu geschaffen war, die Auf 
merksamkeit der neuen Schule auf sich zu ziehen. Es hat auch tatsächlich 
als Brücke zwischen der alten und neuen Ökonomik gedient — aber einmal^ 
hinübergelangt, hat die neue Schule diese Brücke abgebrochen. Es kostete 
sie keine Mühe, nachzuweisen, daß dies vorgebliche Gesetz, das von der 
Nationalökonomie wie ein geometrisches Axiom betrachtet worden war, 
wie ein Quid inconcussum, auf das sie alle ihre Gebäude errichtet 
hatte, gerade ein echtes Schulbeispiel für die Kreisschlüsse war, von 
denen wir eben gesprochen haben. Unter den Volkswirtschaftlern erregte 
es großes Aufsehen, als man sich um die Mitte des 19. Jahrhunderts dazu 
gezwungen sah, dies anzuerkennen. In der Tat, wenn der Preis von dem 
Angebot und der Nachfrage bestimmt wird, so ist es nicht weniger wahr, 
daß Angebot wie Nachfrage ihrerseits vom Preise bestimmt werden, so 
daß es unmöglich wird, zu wissen, welches von beiden Ursache und welches 
Wirkung ist. Übrigens hatte Stuart Mill diesen Widerspruch schon 
bemerkt und hatte ihn in der Weise, die wir auf S. 392 f. ausgeführt haben, 
l ) „Die Irrtümer der klassischen Volkswirtschaftler sind, sozusagen, nur die 
gewöhnlichen Kinderkrankheiten (ordinary diseases of childhood) einer jeden Wissen 
schaft.“ Böhm-Bawerk, The Austrian Economists, in „Annals of the American 
Academy of Political and Social Science“, Januar 1891).
	        
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