74
Technische Ausrüstung der südrussischen Hüttenwerke.
steht aus A. E. G.-Dampfturbinen. Taganrog und Makiewka haben
gemischte Anlagen: Erstere Augsburg-Nürnberg-Motore und A. E. G.-
Dampfturbinen, letztere Mühlhausen-Motore und Rateau-Dampftur-
binen. Auf den anderen Hüttenwerken sind hier und da eine oder
zwei Dampfturbinen eingebaut, aber keine der Kraftanlagen besitzt
über 10000 P,S. Allen diesen Werken stehen noch große geldliche
Aufwendungen zum Ausbau ihrer Kraftanlagen zwecks Ersparung
von Kesselkohlen bevor.
Die Walzwerksanlagen bestehen meist ohne große Umänderung
seit ihrer Erbauung in den 90 er Jahren mit Ausnahme von einigen
kleinen und Drahtstraßen, die moderneren Ursprunges sind. Fast
auf allen Hüttenwerken sind die Walzwerksanlagen so reichhaltig
angelegt, daß sie in ihrer Gesamtheit weit mehr Material verarbeiten
können, als Stahlwerke und Hochofenanlagen ihnen vorzubereiten im
stande sind.
Die Beförderung der Fertigerzeugnisse von den Walzenstraßen
angefangen bis zur Ladung in die Waggons ist auf den meisten
Werken noch wenig neuzeitlich eingerichtet. Auch den Wärmeöfen,
besonders denjenigen für kleine und Mittelstraßen, wurde im ganzen
Süden Rußlands noch nicht genügend Beachtung geschenkt. Der
Kohlen verbrauch der Wärmeöfen ist fast überall ein hoher. Die
hohen Kohlenpreise der Zukunft werden in allen Werken notge
drungen zu Verbesserungen führen.
Gestehungkosten der Hüttenwerke. Ein Vergleich der
Gestehungskosten der südrussischen Hüttenwerke mit denjenigen
Westeuropas vor dem Kriege ergab, daß die Preise der Rohstoffe:
Erz, Kalkstein, Kohle und Koks in Südrußland entweder billiger
oder annähernd die gleichen waren wie in den westeuropäischen
Werken. Beim Roheisen blieb dieses Verhältnis auch meist noch
gewahrt, wenn auch der Anteil an den Kosten für Unterhalt und
Arbeitslöhnen im Selbstkostenpreise des südrussischen Roheisens
schon erheblich größer war. Der Preis des Martinstahles war schon
überall bedeutend höher als in Westeuropa. Je weiter dann in den
Walzwerken oder Werkstätten die Verarbeitung von Stahl und Eisen
fortgesetzt wurde, um so größer wurde der Unterschied zwischen dem
Selbstkostenpreise des rüdrussisohen und dem des westeuropäischen
Werkes, umso aussichtsloser war der Gedanke, jemals den hohen
Zoll auf russische Eisenerzeugnisse entbehren zu können, und von
einer gewinnbringenden Ausfuhr russischer Eisenerzeugnisse auf den
Weltmarkt konnte keine Rede sein. Hierfür hat es mehrere Gründe
gegeben. Es war vor allem die geringere Leistungsfähigkeit des
russischen Arbeiters im Vergleich zu dem westeuropäischen und die
große Anzahl an Meistern und Äufsichtspersonal, die zur Über-