Full text: Tote und lebendige Wissenschaft

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Wirtschaftsform (wenn auch die Bestie niemals ganz entfesselt 
ist) aber nur — zur Auflösung von Bindungen, nur als 
eine Umschichtung, als eine Verflüssigung, der vorhandenen 
Gliederungen! Die jeweilige „Freiheit der Einzelnen in ihren 
wirtschaftlichen Handlungen ist geschichtlich immer nur dadurch 
verwirklichbar gewesen, daß Angebot und Nachfrage, Verbrauch 
und Erzeugung, Preise und Gewinn, Kapitalien, Arbeit und 
Boden, Jnnenmarkt und Außenmarkt schon jeweils in bestimmter 
überlieferter Gegliedcrtheit und Ganzheit vorbanden waren, und 
daß nur durch schrittweise Änderungen — z. B. monopolistische 
Manufakturgründungen außerhalb der Zunft im merkantili- 
stischen Zeitalter — den, schließlich wieder nur bedingt freien, 
Handlungen der Einzelnen überlassen wurden. 
Selbst der sehr gemäßigte Kapitalismus bedeutet also 
niemals, daß aus freien Handlungen Einzelner sich die Wirt 
schaft erst bilde. Er bedeutet jedoch allerdings eine verhältnis 
mäßig stürmische und wenig gebundene, darum auch krisen- 
reiche Umwandlung wohlgeordneter Verhältnisse! Er ver 
bindet zwei ständische Perioden, er bildet eine Kurve aus zwei 
Bogen und einem Umkehrungspunkt. Diese Umkehrung ge 
schieht, wie die Geschichte lehrt, nwhr unbewußt, aber kraft 
innerer logischer Notwendigkeit der Wirtscbaft, die auf Gliede 
rung und Ganzheit, nicht auf Vereinzelung geht. 
Zum Schlüsse sei es erlaubt, unsere Zergliederung der vier 
Grundgestalten der Wirtscbaft an einem Bilde zu verdeutlichen. 
Es wäre dann — man erschrecke nicht — die individualistische 
Verkehrswirtschaft einem Narrenbause zu vergleichen, wo jeder 
nach eigenem Gutdünken herumflitzt und ängstlich das Seine 
sucht; die kommunistische Wirtschaft einem Zuchthause, wo 
jeder Einzelne gefesselt in seiner Zelle sitzt; die frei geregelte 
Wirtschaft einem in voller Umbildung begriffenen Hauswesen, 
wo durch den Tod des Hausvaters das Erbe geteilt wird; die
	        
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