Full text : Volkswirtschaftspolitik

Handelspolitik.

109

Einheitstarife  äußerlich  nicht  erkennbar  sind.  Ihre  Anwendung
hat  sich  neuerdings  sehr  verbreitet.
Die  Kampfzölle  undKampfzuschläge  („Vergeltungszölle", ­
  „Retorsionszölle")  sind  vorübergehende  Zölle  und
Zollzuschläge  auf  Waren  eines  bestimmten  Landes,  um
dessen  unfreundliche  handelspolitische  Maßnahmen  abzuwehren
vder  ihnen  vorzubeugen.  In  Deutschland  können  jetzt  Kampfzuschläge
  bis  zum  doppelten  Betrage  des  regelmäßigen  Zollsatzes ­
  oder  bis  zur  Höhe  des  vollen  Wertes  und  Kampfzölle
auf  sonst  zollfreie  Waren  bis  zur  Hälfte  des  Wertes  auferlegt
werden.  Auch  bie  meisten  anderen  Länder  ziehen  der  Anwendung ­
  dieses  Mittels  eine  Obergrenze,  Spdnien  und  die
Schweiz  dagegen  nicht.  Die  Bestimmungen  über  die  Kampfzölle ­
  und  Kampfzuschläge  sind  neuerdings  in  vielen  Staaten
wesenüich  verschärft  worden.
Die  Vorzugszölle  sollen  ein  engeres  handelspolitisches
Verhältnis  mit  politisch  zusammengehörigen  oder  befreundeten
Staatswesen  dadurch  herbeiführen,  daß  deren  Waren  der  gesetzliche ­
  Anspruch  auf  eine  günstigere  Zollbehandlung  gewährt
wird.  Die  Anwendung  der  Vorzugszölle  ist  neuerdings
namentlich  durch  das  Vorgehen  britischer  Pflanzstaaten  gegenüber ­
  dem  Mutterlande  wesentlich  erweitert  worden  und
scheint  in  der  Handelspolitik  der  nächsten  Jahrzehnte  zu
besonderer  Bedeutrmg  gelangen  zu  sollen.
Die  Schutzzölle  endlich  sollen  die  Leistungsfähigkeit  der
inneren  Gütererzeugung  erhalten  oder  steigern  oder  entwickeln ­
  durch  Erschwerung  fremden  Wettbewerbes.  Die
dauernde  Wirkung  der  Schutzzölle  beruht  nicht  auf  der  Steigerung ­
  der  Jnlandpreise,  die  —  wenn  überhaupt  —  meist  nur
borübergehend  durch  Schutzzölle  erreicht  lverden  kann,  sondern ­
  auf  der  Sicherstellung  des  inländischen  Marktes  als  des
wichtigsten  und  auf  die  Dauer  sichersten  Absatzgebiets  für  die
inländische  Gütererzeugung.  Die  Wirkung  wird  wesentlich
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.