damals durch Menschenkraft verrichtet werden. Wie langsam die
Arbeit infolgedessen von statten ging, kann man sich denken. Die
damalige Usanz, die den Ladungsinteressenten 14 Tage Frist gab
zur Abnahme der Ladung und unter welcher wir in späteren Jahren
noch hart zu leiden gehabt haben, war den derzeitigen Leistungen
der Schiffe vollständig angemessen. Ein bedeutender Importartikel
war Zucker aus Brasilien, der in unhandbar großen Kisten von
1600—2000 Pfd. verpackt wurde; natürlich war es für die damaligen
Verhältnisse keine leichte Arbeit, diese großen Frachtstücke über
Bord zu setzen*), und konnte überhaupt nur mit Hilfe eines zweiten
Takels an Raa vollführt werden. So unpraktisch die ganze Hand
habung auch war, sie hatte doch etwas Gemütliches und Fröh
liches; es war nicht wie jetzt die »Nurarbeit« einer großen Fabrik.
Die wirkliche Veränderung aller dieser Zustände traf mit
dem Zeitpunkte zusammen, wo das Eisen für die vielen Zwecke
der Schiffahrt anfing, das weichere Material, wie Holz und Hanf
zu verdrängen. Die platzraubenden hänfenen Ankertaue wurden
durch Ankerketten ersetzt; große Erleichterung schufen die Patent
ankerwinden von Pow und Fawkus, die das bisherige Aufwinden
der schweren Anker mit der Hand beseitigten und dadurch eine
bedeutende Zahl menschlicher Arbeitskräfte freimachten. An die
Stelle der hölzernen Schiffspumpen traten eiserne. Alles dies
machte eine Vergrößerung der Schiffe möglich.
»In dieser Zeit (1857) wuchs das Segelschiff ununterbrochen.
Vor zu großen Schiffen allerdings empfanden Reeder und Kapi
täne eine starke Scheu. Denn bei der Geringfügigkeit der zu
verladenden Warenmengen wollte niemand der erste sein, der
einem großen Schiff Ladung anvertraute. Man fürchtete, es könne
lange Zeit, Monate lang liegen bleiben, ehe es volle Ladung habe
und segeln könne. Allmählich nahm das zu transportierende
Güterquantum stark zu, und jetzt ist kein Schiff zu groß, wenn es
uur in der richtigen Fahrt ist« 2 ). Solange die Schiffe noch ver
hältnismäßig kleine Segler waren, die den Kaufmannshäusern ge
hörten und in unregelmäßiger Fahrt verkehrten, kam es weniger
auf die Dauer der Lösch- und Ladezeit an. Als jedoch die Schiffs-
1 ) In die seit alter Zeit und noch heute üblichen sogen. Schuten (flache offene
£ ahrzeuge) oder Kähne (flache gedeckte Fahrzeuge), Fahrzeuge, die durch einen oder
zwei Mann Bedienung durch Stoßen fortbewegt wurden und dabei Ebbe und Flut
ausnutzten.
2 ) Fitger: Die wirtschaftliche und technische Entwicklung der Seeschiffahrt
von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis auf die Gegenwart. Leipzig 1902. (Schriften
des Vereins für Sozialpolitik, Bd. CIII.)
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