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»Noch am Schluß des neunzehnten Jahrhunderts kämpft das
große Segelschiff auf weiten Reisen (z. B. Reis von Hinterindien,
% Salpeter von Iquique, Weizen von San Francisco, Petroleum in
Blechkisten von New York nach Ost-Asien, Kohlen von England
nach vielen entlegenen Häfen) nicht ohne Erfolg mit dem
Dampfer 1 ).« Der große Vorteil des Seglers lag und liegt in den
verhältnismäßig niedrigen Baukosten, die eine angemessene Ver
zinsung des investierten Kapitals leichter ermöglichen lassen und
daneben in den gegenüber dem Dampfer außerordentlich billigen
Betriebs- und Unterhaltungskosten. Beides ermöglicht eine niedrige
Kalkulation bei den Tarifen. Seine Hauptmängel sind langsamere
Fahrt, Abhängigkeit von Wind und Wetter und damit Unregel
mäßigkeiten der Ankunft, die eine Verfrachtung sehr hochwertiger
Güter und einer durch lange Frachtdauer eintretenden Entwertung
ausgesetzter Güter nicht angebracht erscheinen lassen. Durch die
Unregelmäßigkeit der Ankunft wird die telegraphische Beschaffung
von neuer Ladung bei Ankunft oft illusorisch, und der Segler ist
sehr häufig gezwungen, in Ballast weiter fahren oder lange warten
zu müssen. Der Telegraph kommt mehr dem auf den Tag genau
ankommenden Dampfer zugute als dem Segler. Zu einer Ver
billigung der Dampferfrachten in den letzten Jahrzehnten des
neunzehnten Jahrhunderts trug ferner bei die Spezialisierung der
Dampfer in Passagierdampfer, in Passagier- und Frachtdampfer
und in reine Frachtdampfer. Diese letzteren sind lediglich ihrem
Zweck entsprechend gebaut unter Fortlassung jeglicher Art von
kostspieligen und raumraubenden Wohneinrichtungen. Und bei
den eigentlichen Frachtdampfern geht die Spezialisierung noch
weiter in Kohlen-, Erz-, Petroleumdampfer usw. Die Ver
schiedenartigkeit der Güter mußte natürlich auch auf die Ent
wickelung der Lösch- und Lademethoden bestimmend einwirken.
Die Entwicklung der Lösch- und Ladeeinrichtungen bis zu ihrer
jetzigen Gestaltung.
Die Entwicklung der Lösch- und Ladeeinrichtungen eines
Hafens richtet sich ihrer Art nach in erster Linie nach den Ver
kehrswegen, die den Hafen mit seinem Hinterland verbinden.
Hamburg mit dem weit ins Binnenland reichenden schiff
baren Elbstrom wird wegen der großen Billigkeit des Wasser-
J ) Fitger a. a. O. S. 39.