Full text: Frédéric Le Play in seiner Bedeutung für die Entwicklung der sozialwissenschaftlichen Methode

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mehr möglich, geschweige denn bei Arbeiterfamilien in Paris, Shef 
field usw. Ein Vergleich zwischen Familien, die in ihrer Bedeutung für 
den Zustand der Gesellschaft so verschiedenwertig waren, mußte zu 
schiefen Ergebnissen führen. Manche Schüler Le Play’s haben diesen 
Mangel erkannt und haben sich bemüht ihn auszufüllen, wobei sie 
sich freilich von Le Play’s ganzem Verfahren weit entfernten. 
Kritik der Monographie im einzelnen. Vorbemerkungen. 
Man hat bisher, namentlich bei uns in Deutschland, sich darauf be 
schränkt, gewisse Unzulänglichkeiten der wissenschaftlichen Technik 
Le Play’s zu kritisieren, die sich von vornherein erkennen lassen, 
z. B. die Tatsache, daß er die Einnahmen und Ausgaben der Familie 
lediglich auf Grund von Unterhaltungen mit deren Angehörigen 
festzustellen suchte. Aber dies reicht nicht aus. Um über den 
Wert der Familien-Monographien ins klare zu kommen, ist es nötig, 
einzelne von ihnen soweit wie möglich nachzuprüfen. Das ist mit 
französischen Monographien schon geschehen l ). Wir haben es auch 
bei Monographien deutscher Familien zu tun versucht, um festzustellen, 
inwieweit er genau beobachtet, die Kausalzusammenhänge richtig 
und allgemeingültig erfaßt hat. 
Der Versuch hat mit der Schwierigkeit zu kämpfen, daß die Mono 
graphien Le Play’s spätestens um die Mitte des vorigen Jahrhunderts 
aufgenommen sind, also weit zurückliegen. Immerhin konnte man 
hoffen, über die damaligen allgemeinen Verhältnisse, vielleicht sogar 
über die einzelner Familien Material zu erlangen, wenn man Mono 
graphien aus einer Gegend wählte, hinsichtlich deren viel Literatur 
vorliegt, und wo die Verhältnisse seit der Mitte des vorigen Jahr 
hunderts sich nicht völlig verändert haben. 
Die Wahl fiel in erster Linie auf die Monographie eines 
Solinger Waffenschmiedes, die in beiden Auflagen der 
„Ouvriers europeens“ (2. Aufl. Bd. III) veröffentlicht ist. Dieser 
Waffenschmied war ein sogenannter „Aufschläger“, der die 
Klingen und Hefte zusammensetzte. Für die Nachprüfung der als 
Anhang II abgedruckten Monographie wurde an Ort und Stelle 
einiges Material gesammelt. Es gelang sogar, die Familie des Auf 
schlägers mit Hilfe mehrerer mit den Verhältnissen vertrauter alter 
Leute einwandfrei nachzuweisen. Zwei in der Monographie erwähnte 
’) R. Pinot, Monographie du Jura bernois (Science sociale 1887); Butel, 
La vallee d’Ossau; etude sur la population originaire et la pretendue famille-souche 
des Pyrenees (Science sociale 1892/93). 
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