Full text : Frédéric Le Play in seiner Bedeutung für die Entwicklung der sozialwissenschaftlichen Methode

79

mehr  möglich,  geschweige  denn  bei  Arbeiterfamilien  in  Paris,  Sheffield ­
  usw.  Ein  Vergleich  zwischen  Familien,  die  in  ihrer  Bedeutung  für
den  Zustand  der  Gesellschaft  so  verschiedenwertig  waren,  mußte  zu
schiefen  Ergebnissen  führen.  Manche  Schüler  Le  Play’s  haben  diesen
Mangel  erkannt  und  haben  sich  bemüht  ihn  auszufüllen,  wobei  sie
sich  freilich  von  Le  Play’s  ganzem  Verfahren  weit  entfernten.
Kritik  der  Monographie  im  einzelnen.  Vorbemerkungen.
Man  hat  bisher,  namentlich  bei  uns  in  Deutschland,  sich  darauf  beschränkt, ­
  gewisse  Unzulänglichkeiten  der  wissenschaftlichen  Technik
Le  Play’s  zu  kritisieren,  die  sich  von  vornherein  erkennen  lassen,
z.  B.  die  Tatsache,  daß  er  die  Einnahmen  und  Ausgaben  der  Familie
lediglich  auf  Grund  von  Unterhaltungen  mit  deren  Angehörigen
festzustellen  suchte.  Aber  dies  reicht  nicht  aus.  Um  über  den
Wert  der  Familien-Monographien  ins  klare  zu  kommen,  ist  es  nötig,
einzelne  von  ihnen  soweit  wie  möglich  nachzuprüfen.  Das  ist  mit
französischen  Monographien  schon  geschehen  l ).  Wir  haben  es  auch
bei  Monographien  deutscher  Familien  zu  tun  versucht,  um  festzustellen,
inwieweit  er  genau  beobachtet,  die  Kausalzusammenhänge  richtig
und  allgemeingültig  erfaßt  hat.
Der  Versuch  hat  mit  der  Schwierigkeit  zu  kämpfen,  daß  die  Monographien ­
  Le  Play’s  spätestens  um  die  Mitte  des  vorigen  Jahrhunderts
aufgenommen  sind,  also  weit  zurückliegen.  Immerhin  konnte  man
hoffen,  über  die  damaligen  allgemeinen  Verhältnisse,  vielleicht  sogar
über  die  einzelner  Familien  Material  zu  erlangen,  wenn  man  Monographien ­
  aus  einer  Gegend  wählte,  hinsichtlich  deren  viel  Literatur
vorliegt,  und  wo  die  Verhältnisse  seit  der  Mitte  des  vorigen  Jahrhunderts ­
  sich  nicht  völlig  verändert  haben.
Die  Wahl  fiel  in  erster  Linie  auf  die  Monographie  eines
Solinger  Waffenschmiedes,  die  in  beiden  Auflagen  der
„Ouvriers  europeens“  (2.  Aufl.  Bd.  III)  veröffentlicht  ist.  Dieser
Waffenschmied  war  ein  sogenannter  „Aufschläger“,  der  die
Klingen  und  Hefte  zusammensetzte.  Für  die  Nachprüfung  der  als
Anhang  II  abgedruckten  Monographie  wurde  an  Ort  und  Stelle
einiges  Material  gesammelt.  Es  gelang  sogar,  die  Familie  des  Aufschlägers ­
  mit  Hilfe  mehrerer  mit  den  Verhältnissen  vertrauter  alter
Leute  einwandfrei  nachzuweisen.  Zwei  in  der  Monographie  erwähnte

’)  R.  Pinot,  Monographie  du  Jura  bernois  (Science  sociale  1887);  Butel,
La  vallee  d’Ossau;  etude  sur  la  population  originaire  et  la  pretendue  famille-souche
des  Pyrenees  (Science  sociale  1892/93).

6
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.