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Entwickelung des Verkehrswesens im Mittelalter.
Im Namen Gottes ließ der Kapitän die Segel aufziehen, und fort ging cs ins Gelobte Land.
In der Regel pflegten sich mehrere Schiffe zu vereinen, und oft waren es ganze Geschwader,
die dem Osten zusteuerten. Bezeichnend für den damaligen Stand der Schiffahrt ist es. den
Kurs zu verfolgen, welchen die Schiffe im allgemeinen einschlugen. Die Schiffe hielten sich
in der Regel an der Küste. Die Fahrt ging an den jonischen Inseln tind an den Küsten
Griechenlands entlang. Nördlich von Kreta schlugen sie die östliche Richtung ein. liefen
nicht selten Rhodos an, erreichten dann Cypern und von hier aus ihren Bestimmungs
hafen. Von Messina nach Accon dauerte die Fahrt vier Wochen. Von Marseille nach Syrien
rechnete man sünfunddreißig Tage.
Das aus kirchlichen Motiven entsprungene Verbot des Warenbezuges ans den in den
Händen der Ungläubigen befindlichen Ländern, veranlaßte die Venezianer, den asiatischen
Produkten einen neuen Handelslveg zu erschließen. Die Warenzüge gingen fortan durch
die Bucharei. Das alte Tanais am Don kam als Tana wieder zu großer Bedeutung, ans
ihm entwickelte sich das heutige Asow. An der neuen Welthandelsstraße lagen Buchara,
Balkh und Samarkand. Orte, welche schon im Altertum zum Teil eine angesehene Stellung
eingenommen hatten. Diese Straße für den Warenbezug aus Indien blieb bis zum
Ende des 14. Jahrhunderts von Bedeutung. Ihr Verkehr wurde allmählich schwächer,
als die Kirchenverbote eine weniger abschreckende Wirkung auszuüben begannen. Immer
stärker erwies sich das Verlangen, dem Handel wiederum einen lveniger kostspieligen Weg
zu eröffnen. Syrien war um diese Zeit die Beute der Mameluken und Mongolen geworden,
und die Venezianer waren durch die Genuesen (1261) aus Konstantinopel und damit fast
ganz aus dem Schwarzen Meer verdrängt worden. Mit Hilfe der Genuesen war Michael
Paläologns auf den Kaiserthron gekommen, und er hatte seinen Verbündeten dadurch
seine Dankbarkeit bewiesen, daß er diesen die Vorstädte Galata und Pera einräumte. Die
Venezianer, bemüht, das Verlorengegangene möglichst wieder an anderer Stelle zu ge
winnen, sicherten sich den Warenzug durch das mongolische Vorderasien. Taurus ward
ein wichtiger Handelsplatz. Die indischen Waren kamen per Schiff bis Ormus, von wo
ans der Weitertransport zu Lande nach Persien oder über das Persische Meer und den
Tigris bis Bagdad erfolgte. Die morgenländischen Waren schaffte man auf einem nord
östlich gekrümmten Umweg durch Kleinarmenien bis an das Mittelländische Meer nach
Ajaß. Um den bequemsten Weg nach Indien, den über Ägypten, benutzen zu können,
wurde vielfach Schleichhandel getrieben. Die Händler kamen von Ägypten nach ver
schiedenen einst im Altertume hochberühmten Orten, nach Candelorum (Side) und Attalea,
sowie nach Satalia in Pamphylien. Als der Papst Clemens (1307) allen Handel unter
Androhung des Kirchenbannes verbot, erklärten viele Kaufleute, sich genau an den Konzilien
beschluß vom Jahre 1179, der nur den Handel von Waren zum Kriegsgebrauche betraf,
halten zu wollen, darüber hinausgehende Bestimmungen aber für nicht gültig betrachten
zu können, und in ihrer Übertretung glaubten sie kein geistliches Verbrechen erblicken zu
müssen. Diese Widerstrebenden wurden durch eine päpstliche Bulle im Jahre 1326 für
Ketzer erklärt und zum Schweigen gebracht. Durch dieses scharfe Verbot ward dem Lug
und Trug Thür und Thor geöffnet. Um die Konkurrenz der Geistlichen zu hintertreiben,
brachte Benedict VI. die Erteilung von Freibriefen an einzelne venezianische Handels
häuser auf. Im Jahre 1345 erhielt der gesamte Handelsstand von Venedig auf fünf
Jahre Dispensation, und diese wurde später verlängert. Venedig stieg, je mehr das An
sehen seiner bedeutendsten Rivalin, Konstantinopel, sank, immer höher, und mit dem Ende
des 14. Jahrhunderts erreichte die mit Recht vielgepriesene Lagunenstadt den Gipfelpunkt
ihrer Macht und ihres Glanzes, als dessen sichtbare Zeichen die Kuppeln und die Paläste
zurückgeblieben sind.
Die Verschiebung des Handelsschwerpunktes von Byzanz nach Venedig hatte für
Deutschland weittragende Folgen. Der Weg von den italienischen Städten nach Nord-
europa führte fortan durch dieses Land. Die direkten Handelsbeziehungen mit Nürn
berg, Augsburg und anderen deutschen Städten nahmen außerordentlich zu, und die
neuen Verhältnisse ließen diese Städte sehr aufblühen. Übrigens hatte sich in Deutschland
während des 13. Jahrhunderts ein für die Verkehrsgeschichte sehr wichtiger Vorgang voll
zogen. Trotz der Eiferung der Fürsten auf dem Reichstage zu Worms (1231) gegen.