— 146
den Ausbau des russisch-polnischen Eisenbahnnetzes und handelspolitisch
auf die möglichste Ermäßigung der Kohlen- und Kokszölle
zu dringen ist.
Wenn der Steinkohlenexport infolge der ungünstigen geographischen
Lage des Bezirks zum Jnlande für Oberschlesien von
solcher Bedeutung ist, so erscheint doch die Stärkung des Jnlandsabsatzes
als das vom nationalwirtschaftlichen Standpunkt
erstrebenswertere Ziel. Es handelt sich ja um ein unersetzbares
Produkt des nationalen Bodens, bei dem die Forderung berechtigt
ist, mit ihm sparsam umzugehen im Interesse der Zukunft
der Nation^).
Nicht das Ausland, sondern die nationale Wirtschaft soll
damit befruchtet werden.
Der Forderung „Die nationalen Kohlenschätze der Nation"
ist aber sofort mit der gleichen Berechtigung die nachzusetzen:
„Der nationale Markt der nationalen Kohle".
Die Verdrängung der englischen Steinkohle liegt im Interesse
Oberschlesiens wie der ganzen Nation. Der Import englischer
Steinkohle in das Deutsche Reich stellt sich als ein Tribut
von vielen Millionen Mark jährlich dar an die englischen Bergwerksbesitzer
und Schiffseigentümer, der ohne Beeinträchtigung
der deutschen Kohlenverbraucher dem inländischen Bergbau und
seinen Arbeitern sowie dem inländischen Transportgewerbe zu
Gute kommen könnte^).
So wie Westdeutschland allein durch die Ruhrkohlen versorgt
werden sollte, soll ganz Ostdeutschland der Markt der
oberschlesischen Steinkohle werden.
Wichtigstes Interesse ist daher die Stärkung dieses inländischen
Marktes.
Die Wirtschaftslage der oberschlesischen Eisenindustrie ist
weit schwieriger zu beurteilen.
Ungünstiger als der anderen deutschen Eisenindustrien sind
die oberschlesischen Erzinaterialverhältiüsse und werden votraussichtlich
auch in Zukunft diesen nachstehen. Auch bei bestem
Oderklodnitzgroßschiffahrtsweg werden die Erzmaterialkosten
1) Oldenberg.
2) Der Import der englischen Steinkohle findet meist aus
englischen Schissen statt.