Full text : Die Frau als kaufmännische Angestellte im Handelsgewerbe

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Bei  dem  Kontorpersonal  mit  Handelsschulbildung  ist  danach  die  Mehrzahl ­
  aus  einer  Volksschule  hervorgegangen.  Trotzdem  ist  aber  anzunehmen, ­
  daß  die  Angestellten  mit  Handelsschulbildung  nicht  den
untersten  Schichten  entstammen.  Die  Volksschülerinnen  werden  infolge
der  größeren  Kosten  der  Ausbildung  auf  den  Handelsschulen  und  der
längeren  Zeit  der  Ausbildung  meist  dem  unteren  Mittelstand  angehören,,
der  die  Volksschulbildung  für  genügend  hält,  aber  für  fachliche  Ausbildung ­
  etwas  anzuwenden  geneigt  und  auch  wohl  in  der  Lage  ist.
Von  allen  in  einer  Fortbildungsschule  ausgebildeten  Angestellten
hat  nur  der  kleinere  Teil  eine  Mittel-  oder  höhere  Mädchenschule  besucht. ­
  Da  die  Fortbildungsschule  an  die  Volksschulkenntnisse,  anknüpft, ­
  wird  sie  nur  selten  von  Nicht-Volksschülerinnen  besucht.  Auch
gilt  es  unter  den  höheren  Ständen  in  der  Regel  nicht  als  standesgemäß,,
die  Tochter  auf  einer  Fortbildungsschule  die  fachliche  Ausbildung
erwerben  zu  lassen.  Die  Besucherinnen  der  Fortbildungsschulen  gehören
daher  zum  größten  Teil  den  unteren  Mittelständen  und  der  Arbeiterklasse ­
  an,  weil  diese  Einrichtungen  ohne  erheblichen  Kostenaufwand
Gelegenheit  zu  theoretischer  Ausbildung  bieten.  Der  Teil  der  Kontoristinnen, ­
  der  höhere  Töchterschulbildung  besitzt  und  eine  Fortbildungsschule ­
  besucht,  setzt  sich  wohl  hauptsächlich  aus  älteren
Elementen  zusammen,  die  keine  geeignete  Vorbildung  genossen  haben
oder  durch  Belegen  von  Fortbildungskursen  besonders  in  den  Abendstunden ­
  ihre  Kenntnisse  zu  erweitern  suchen.  Der  Besuch  der  Fortbildungsschulen ­
  durch  diese  Angestellten  ist  inzwischen  sicher  noch
gestiegen,  da  es  sich  die  kaufmännischen  Vereine  angelegen  sein  lassen,
eigene  Fortbildungsschulen  zu  gründen.
Hoch  ist  die  Zahl  der  Angestellten,  die  Pressebildung  oder  lediglich ­
  Besuch  eines  Stenographiekursus,  kaufmännischen  Privatunterrichtoder
  gar  keine  Vorbildung  angeben  und  Schülerinnen  einer  höheren
Lehranstalt  sind.  Sie  dürften  in  den  meisten  Fällen  den  höheren  sozialen
Schichten  angehören,  deren  weibliche  Mitglieder  oft  erst  dann  zu  einem
Beruf  sich  entschließen,  wenn  die  Not  sie  zwingt,  oder  wenn  sie  keine
Möglichkeit  mehr  sehen,  sich  zu  verheiraten,  und  daher  Betätigung  oder
oder  Unabhängigkeit  von  ihren  Angehörigen  suchen.  Häufig  sind  sie
dann  angewiesen,  schnell  einen  Erwerb  zu  finden  nach  einer  möglichst
kurzen  Ausbildung.  Vielfach  wenden  sich  dem  kaufmännischen  Berufe
auch  Frauen  zu,  die  schon  andere  Berufe  ausgeübt  haben  und  hier
lohnenderen  Erwerb  oder  größere  Befriedigung  erhoffen.  Auch  diese
werden  meist  gezwungen  sein,  sich  auf  eine  oberflächliche  Ausbildung
zu  beschränken.  Bei  allen  diesen  Frauen  kommt  der  Entschluß,  zum
kaufmännischen  Beruf  zu  greifen  oder  überzugehen,  meist  erst  in
höherem  Alter.  Aus  diesem  Grunde  sehen  sie  von  dem  Besuch  solcher
            
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