144 111. Die Ausbildung des Fabrikbetriebes von 1870 bis zur Gegenwart.
sind zwei Gründe maßgebend gewesen. Einerseits konnte nämlich
die Produktion der deutschen Landwirtschaft mit dem immer
mehr zunehmenden Bedarf der Ölmühlen an Rohmaterialien
nicht gleichen Schritt halten, — ja der Anbau der Ölgewächse j
geht sogar, wie ich gleich näher ausführen werde, immer mehr
zurück, und die jährliche deutsche Ernte ist heute im Vergleich
zu den Importzahlen nur noch von geringer Bedeutung —, andererseits
ist man in der deutschen Ölindustrie in den letzten
40 Jahren immer mehr dazu übergegangen, neben den von jeher
verarbeiteten Raps-, Lein- und Mohnsaaten auch andere ölhaltige
von Übersee importierte Ölsaaten und -früchte zu verwerten:
Wenden wir uns zuerst zu dem Rückgang der deutschen
Produktion an Ölsaaten. Da eine Statistik über die Verbreitung
des Anbaues der verschiedenen landwirtschaftlichen Bodenerzeugnisse
erst seit dem Jahre 1878 besteht und alle früheren
Angaben fast ausschließlich auf Schätzungen beruhen, so nehme
ich das Jahr 1878 als Ausgangspunkt meiner Untersuchungen
über den Rückgang der deutschen Produktion an Ölsaaten. Der
Anbau an Ölsaaten im Deutschen Reich betrug:
im Jahre
1
an Raps
und Rübsen
ha
2
an Leinsaat
u. Hanfsaat
ha
3
an Mohn
ha
Summe 1—3
ha
1878
179055
154247
6334
339636
1883
133471
123552
—
—
1893
105841
68877
3723
178441
1900
72736
37200
3279
113215
1909
41788
—
—
—
Wir haben somit einen Rückgang der Anbaufläche bei Rapsund
Rübsaat von 1878—1909 um 77%, bei Leinsaat und Hanfsaat
von 1878—1900 um 76% und bei Mohnsaat von 1878 bis
1900 um 48%. Insgesamt betrug der Rückgang der Anbaufläche
von Raps und Rübsen, Leinsaat, Hanfsaat und Mohnsaat
von 1878—1900 ungefähr 66,4%.
Bei der großen Wichtigkeit, welche die Frage der Anbaumöglichkeit
der einzelnen Ölgewächse in Deutschland nicht allein
für die deutsche Landwirtschaft, sondern auch für die deutsche
Ölindustrie hat, der man den Bezug ausländischer Ölsaaten durch
Einfuhrzölle erschwert, erscheint es nötig, kurz auf die Ursache