Zweiter Abschnitt.
Die Entstehung und Ausbildung des Fabrikbetriebes
in der Ölmüllerei in der Zeit von der
Einführung der Gewerbefreiheit bis ungefähr 1870.
1. Kapitel.
Die Einführung der Gewerbefreiheit und die Vermehrung
der Zahl der Ölmühlen. Die Zunahme der Absatzgebiete
für Öle.
Während der Herrschaft der Zunftverfassung und der merkantilistischen
Ideen war, wie wir im vorigen Abschnitte gesehen
haben, die wirtschaftliche Lage der Ölmüllerei Preußens gekennzeichnet
durch handwerksmäßigen Betrieb, und zwar vollzog
sich dieser zum überwiegenden Teile in der Form des Lohnwerkes.
Mit der Verwirklichung der volkswirtschaftlichen Lehren
des Adam Smith brach auch für die Ölmüllerei eine völlig neue
Zeit an, welche in ihrem Verlaufe der Handelsmüllerei zum Siege
über die Lohnmüllerei verhalf und die Entstehung des Fabriksystems
herbeiführte. Meine Aufgabe in diesem Abschnitte soll
es sein, festzustellen, auf welche Weise und aus welchen Ursachen
heraus diese Entwicklung vor sich gegangen ist.
Den Beginn dieser neuen wirtschaftlichen Epoche bildete
in Preußen die Einführung der Gewerbefreiheit. Friedrich Wilhelm
111. kündigte dieselbe nach dem unglücklichen Ausgange
des Krieges von 1806 in dem berühmten Edikt vom 9. Oktober
1807 mit den Worten an: „.. . daß es ebensowohl den unerläßlichen
Forderungen der Gerechtigkeit, als den Grundsätzen einer
wohlgeordneten Staatswirtschaft gemäß sei, alles zu entfernen,
was den einzelnen bisher hinderte, den Wohlstand zu erlangen,
den er nach dem Maße seiner Kräfte zu erreichen fähig war,.. A).“
1 ) Mylius, „Novum corpus constitutionumPrussicoBrandenburgensium
praecipue Marchicarum“. Berlin 1822. Bd. XII, Nr. 16.