Full text : Die deutsche Ölmüllerei

2.  Die  Änderungen  in  der  Technik  der  Ölerzeugung.  67

Bei  den  Untersuchungen  über  die  Vorteile  der  Ölgänge
gegenüber  den  Stampfwerken  habeich  bereits  angeführt  (S.  33/34),
daß  der  Kraftverbrauch  eines  Ölganges  mit  Steinen  von  5  Fuß
Durchmesser  bei  8—10  Umgängen  in  der  Minute  gleich  dem
von  3  Paar  Stampfern  war,  während  die  Leistung  der  von  vier
Stampferpaaren  entsprach.  Bei  alleiniger  Verwendung  von  Ölgängen ­
  hatte  man  also  gegenüber  der  alleinigen  Verwendung
von  Stampfwerken  eine  Ersparnis  von  1/4  der  Betriebskraft  zu
verzeichnen.  Nach  Scholl  (1.  c.  S.  32)  benötigte  man  zur  Verarbeitung ­
  von  1/4  Scheffel  Raps  in  der  Stunde  bei  Benutzung
von  Stampfwerken  eine  Kraft  von  ungefähr  2  P.S.  Der  Kraftaufwand, ­
  welchen  die  Walzwerke  verlangten,  belief  sich  bei  Verarbeitung ­
  von  Raps  auf  3 /io  P-S.  für  jeden  in  der  Stunde  zu
verarbeitenden  Scheffel,  über  5  Scheffel  in  der  Stunde  hinaus  für
jeden  weiteren  Scheffel  auf  7io  P.S.  12 ).  Berechnet  man  sich
aus  diesen  Angaben  den  verschieden  großen  Kraftaufwand  bei
dem  Betriebe  von  Stampfwerk,  Ölgang  und  Walzwerk,  so  erhält ­
  man,  prozentual  ausgedrückt,  eine  Kraftersparnis  der  Ölgänge ­
  gegenüber  den  Stampfwerken  von  25  °/ 0 ,  der  Stampfwerke
mit  Walzwerk  gegenüber  den  Stampfwerken  von  18—20  %,  den
Ölgängen  mit  Walzwerken  gegenüber  den  Ölgängen  von  ca.  14  °/ 0
und  endlich  der  Ölgänge  mit  Walzwerken  gegenüber  den  Stampfwerken
  ohne  Walzwerke  von  ca.  35%.  Wir  sehen  also,  daß
auch  die  durch  die  Neuerungen  erzielte  Kraftersparnis  eine  bedeutende ­
  war,  und  zwar  fällt  dieselbe  aus  dem  Grunde  ganz
besonders  ins  Gewicht,  weil  die  Mühlen  jener  Zeit  meistens
mit  einer  gegebenen  Betriebskraft,  über  welche  sie  nicht  hinaus
konnten,  rechnen  mußten,  und  ihnen  infolgedessen  eine  Vergrößerung ­
  ihrer  Produktion  außer  durch  Erhöhung  der  Leistungsfähigkeit ­
  ihrer  Maschinen  nur  durch  Kraftersparnis  beim
Betriebe  der  schon  vorhandenen  Maschinen  möglich  war.
Nachdem  ich  so  im  einzelnen  die  neuen  Maschinen  in  bezug
auf  die  Gestaltung  der  Produktionskosten  sowie  ihre  Leistungsfähigkeit ­
  untersucht  habe,  will  ich  nunmehr  versuchen,  ein  Bild
von  der  veränderten  Produktivität  und  den  Produktionskosten
der  Gesamtbetriebe  zu  geben.
Der  benötigte  Kraftaufwand  sowie  die  Leistungsfähigkeit
der  mit  Stampfwerken  und  Keilpressen  ausgerüsteten  alten  Öl-12

 )  Scholl,  1.  c.  S.  32.

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