Full text : Die deutsche Ölmüllerei

68  U.  Die  Entstehung  und  Ausbildung  des  Fabrikbetriebes  bis  1870.
mühlen  richtete  sich  nach  dem  Gewichte  der  Stampfer,  der  Zahl
der  Hube  in  der  Minute  und  der  Hubhöhe.  Da  sich  nun  in  der
Literatur  über  diese  drei  Punkte  so  gut  wie  gar  keine  tatsächlichen ­
  Angaben  finden  und  naturgemäß  die  Betriebskraft  des
Wassers  und  Windes  je  nach  der  Jahreszeit  und  der  Lage  der
Ölmühle  verschieden  war,  so  ist  es  nicht  möglich,  vollkommen
genaue  Zahlen  aus  dieser  Zeit  vor  Einführung  der  neuen  Maschinen ­
  und  der  Dampfkraft  zu  geben.  Allgemein  dürfte  jedoch
der  zum  Betriebe  der  Stampfwerke  pro  Grube  benötigte  Kraftaufwand ­
  je  nach  der  technischen  Vollkommenheit  der  Stampfwerke ­
  (der  Reibungsverlust  stieg  bis  zu  2 / 5  der  ganzen  Kraft)
1/2—1  P.S.  betragen  haben  und  für  eine  Doppelkeilrammpresse
ungefähr  2 / 3  P.S.  Legt  man  diese  Berechnungen  zugrunde,  so
erhält  man  für  die  im  ersten  Abschnitte  (S.  42)  angeführten  Beispiele ­
  folgende  Zahlen:
Ölmühle  mit  8  Paar  Stampfern  und  einer  Doppelpresse:
Kraftbedarf  ca.  7  P.S.,  Leistung  in  12  Stunden  200—210  kg
Rapssaat.  Ölausbeute  ca.  33°/ # .
Ölmühle  mit  10  Paar  Stampfern  und  zwei  Doppelpressen:
Kraftbedarf  ca.  9  P.S.,  täglich  (Arbeitszeit  nicht  angegeben)
verarbeitete  Samenmenge  440—560  kg  Rapssaat.
Vergleichen  wir  damit  die  Angaben  einiger  mit  Ölgängen,
Walzwerk  und  hydraulischen  Pressen  eingerichteten  Ölmühlen  aus
dem  uns  hier  beschäftigenden  Zeitabschnitt.
Ölmühle  Struss  in  Linderte.
2  stehende  hydraulische  Pressen.  Kraftaufwand:  Dampfmaschine ­
  von  4  P.S.,  Leistung  in  12  Stunden  720  kg  Rapssaat.
Ölfabrik  in  Goslar.
2  stehende  hydraulische  Pressen.  Kraftaufwand:  Wasserrad
von  4  P.S.,  Leistung  in  12  Stunden  726,4  kg  Rapssaat.
Ölfabrik  von  Capelle  in  Hannover.
(Gegründet  1788.  Bis  1864  Göpel-Betrieb,  dann  Dampfkraft).
2  stehende  hydraulische  Pressen  zu  je  4  Kuchen.  Kraftaufwand: ­
  Dampfmaschine  von  6  P.S.,  Leistung  in  12  Stunden  ca.
1030  kg  Rapssaat.  Ölausbeute  je  nach  Ölgehalt  der  Saat  zwischen
34,6  und  40,9  »/„.
            
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